Bruno Reichart Blick in die Zukunft der Früherkennung

Haben Sie auch eine Frage an Herzchirurg Prof. Dr. Bruno Reichart? Schreiben Sie an medizin@abendzeitung.de Foto: Gregor Feindt

Herzchirurg Bruno Reichart schreibt die wöchentliche Gesundheits-Kolumne in der AZ. Diesmal: Ein Update aus den neuen medizinischen Zeitschriften.

 

Zwei Artikel in Fachzeitschriften machen Hoffnung auf Fortschritte in der Früherkennung von Krankheiten. Im Lancet ist eine nuklearmedizinische Arbeit aus Schottland veröffentlicht, in der es um Verengung oder gar Verschlüsse von Herzkranzgefäßen geht – eine der Haupt-Todesursachen weltweit. Durch die verminderte Blutversorgung kommt es zum Herzinfarkt, bis dahin können jedoch Jahre vergehen. Anders bei einem Krankheitsverlauf, bei dem in den gar nicht einmal so hochgradigen Engen ein entzündungsähnlicher Prozess abläuft, der zu einem Aufbrechen der Gefäßwand führt: Der folgende Gefäßverschluss ereignet sich dann überraschend.

Mit der Hilfe von Positronen scheinen Nuklearmediziner nun eine Art Vorwarn-System gefunden zu haben. Diese strahlenabgebenden Substanzen, die dem Patienten per Spritze verabreicht werden, lagern sich verstärkt in exakt jenen Gefäßabschnitten ab, die das eben beschriebene gefährdende Potential in sich bergen; am Bildschirm entsteht ein klares Bild der Risikosituation. Aber: Neue Studien werden notwendig sein, um die dann möglichen vorbeugenden Behandlungsmethoden zu finden – durch Medikamente zum Beispiel oder Stents.

Vorsorge-Untersuchungen können Darmkrebs verhindern – in allen Ländern, die sich daran beteiligen, sinken die Zahlen dieser Tumorerkrankungen eindrucksvoll. Im New England Journal of Medicine wird jetzt eine Methode vorgestellt, mit der die nach wie vor eher unbeliebte Endoskopie zahlenmäßig beschränkt werden könnte. Die Suche nach dem okkulten Blut im Stuhl wird durch ein Ausfindigmachen von pathologischen DNS-Abschnitten erweitert. Sie entstammen Karzinomzellen, die im Stuhl enthalten sind, und ihrem entsprechend veränderten Genom. Diese Untersuchungen, einmal pro Jahr durchgeführt, werden ab Ende 2014 in Deutschland möglich sein.

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