Breno-Prozess Durchsuchung bei Bayern: Offener Medizinschrank

Beim FC Bayern ist im Zusammenhang mit dem Breno-Prozess ermittelt worden Foto: Gregor Feindt

Ermittlungen an der Säbener Straße: Die Staatswanwaltschaft hat beim FC Bayern nach Medikamenten gesucht - und den Beipackzettel eines Schlafmittels gefunden.

 

München - Die Münchner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen beim FC Bayern aufgenommen – wegen möglicher Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. Wie Staatsanwalt Nikolaus Lanz am Mittwoch vor dem Landgericht München sagte, wurde ein Physiotherapeut des Vereins von der Polizei vernommen. Hintergrund sind Aussagen aus dem Brandstiftungs-Prozess gegen den ehemaligen Bayern-Profi Breno, der vor Gericht angegeben hatte, regelmäßig Schlafmittel aus dem Medizinschrank der Bayern genommen zu haben.

Nach Angaben von Staatsanwaltschafts-Sprecher Thomas Steinkraus-Koch stießen die Ermittler beim FC Bayern tatsächlich auf einen unverschlossenen Medizinschrank. „Es soll diesen Schrank geben und dieser Schrank soll unverschlossen sein.“ Es geht um Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. „Das müssen wir von Amtswegen aufklären“, sagte Steinkraus-Koch. Die Aussage, der brasilianische Fußballprofi Breno habe das starke Schlafmittel „Stilnox“ aus dem Medizinschrank des FC Bayern genommen, sei „Anlass nachzuprüfen“, sagte Lanz. Möglicherweise müsse auch die Regierung von Oberbayern eingeschaltet werden.

Einem Staatsanwaltschaftssprecher zufolge wurde bei diesen Ermittlungen der Beipackzettel eines Schlafmittels gefunden. Zudem habe der Chefphysiotherapeut des Vereins angegeben, dass es das Präparat in der medizinischen Abteilung gebe.

„Diese Aussagen entbehren jeglicher Grundlage. Grundsätzlich gibt es beim FC Bayern keine Schlafmittel“, hatte der damalige Sportdirektor Christian Nerlinger die Vorwürfe noch vor wenigen Tagen zurückgewiesen. „Es bleibt bei dieser Aussage“, bekräftigte am Dienstag Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick. Am Mittwoch stand eine Reaktion des FC Bayern zu den aufgenommenen Ermittlungen des Staatsanwaltes noch aus.

Breno hatte vor Gericht angegeben, „Stilnox“ in größeren Mengen aus dem Medizinschrank des FC Bayern genommen zu haben. „Von dem Medikament habe ich immer eine Packung zu Hause gehabt, die ich mir aus der medizinischen Abteilung des Clubs einfach mitgenommen habe“, hieß es in einer Erklärung, die sein Anwalt Werner Leitner Gericht München verlas. „Der Medizinschrank war tagsüber offen und ich war wegen meiner Verletzung immer wieder in medizinischer Behandlung.“

Bereits in der vergangenen Woche hatte Brenos ehemaliger Manager Vorwürfe gegen den Verein erhoben und gesagt, Schlafmittel seien dort zugänglich. Schon daraufhin nahm die Staatsanwaltschaft nach Lanz' Angaben die Ermittlungen auf.

Breno hat einem Psychologen zufolge unter Depressionen und Niedergeschlagenheit gelitten. Der Facharzt für Psychiatrie, Alexander Bilas, erklärte am Mittwoch vor dem Landgericht München, er habe den Fußballer am Tag nach der mutmaßlichen Tat „so niedergeschlagen erlebt, dass er ihm riet, sich in stationäre Behandlung zu begeben. Bei Breno habe es bereits seit etwa dreieinhalb Jahren eine “depressive Entwicklung„ gegeben, die sich in den acht Monaten vor dem Brand verschlechtert hatte.

 

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