Brasilien Confed Cup: Samba und Chaos

Dank Neymar gewinnt die Selecao zum Auftakt des Confed Cups gegen Japan. Doch Proteste und Planungsfehler verhindern Fußballfest.

 

Brasilia - Im Spielerbus sangen die Kollegen längst Samba, als Neymar noch immer geduldig auch noch den allerletzten Interviewwunsch erfüllte. „Ich habe es immer gesagt. Die individuellen Stärken tauchen im rechten Moment auf”, sagte Brasiliens Hoffnungsträger. Er klang erleichtert, aber auch ein wenig trotzig. Sein Treffer nach 2:52 Minuten leitete Brasiliens 3:0 -Traumauftakt beim Confed Cup ein.

Wie von einer Zentnerlast befreit, verkündete der neue Barca-Star, gerade 21 Jahre jung, fast ausgelassen: „Das Tor widme ich meiner ganzen Familie: Vater, Mutter, Schwester, Sohn, Freunde, Freundin, einfach allen.” Der Schuss wie ein Strich in den rechten Winkel des japanischen Gehäuses brachte Neymars Welt nach 844 torlosen Minuten wieder in Ordnung.

„Ich habe es ja immer gesagt, Neymar ist ein großer Spieler”, frohlockte auch Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari, der dann weiter dozierte: „Es kann sein, dass er das eine oder andere Mal nicht gut drauf ist, aber er macht den Unterschied aus.” In seiner weiteren Analyse wertete der Coach, der Bayerns Abwehrboss Dante 90 Minuten auf der Bank schmoren ließ, Bayerns Edelreservisten Luiz Gustavo aber spielen ließ, den Sieg, zu dem Paulinho (48.) und Jo in der Nachspielzeit die übrigen Treffer beitrugen, als „beruhigend”.

Während die Selecao dank Neymar Samba tanzt, trübten abseits des Rasens aber gleich zum Auftakt des Confed Cups zahlreiche Vorfälle das Vorbereitungsturnier zur WM im nächsten Jahr. Die Proteste in den Straßen von Sao Paulo, Rio de Janeiro und anderen Großstädten reißen nicht ab, viele Menschen stoßen sich an der „WM für Reiche”, und selbst der Sportminister spricht von der „Gentrifizierung des Fußballs” am Zuckerhut. Dazu sorgten leere Plätze, Chaos und lange Schlangen an den Imbissbuden im Estadio Nacional Mane Garrincha, in dem ab der 75. Minute auch kein Bier mehr zu haben war, sowie sogar ein Bombenalarm für Aufregung. Auch die Preise von sechs Real (2,10 Euro) für ein Wasser oder zwölf Real (4,20) für ein Bier sowie acht (2,80) für einen Hotdog erzürnten manche. „Das ist ein Problem, das wir angehen müssen”, sagte Sportminister Aldo Rebelo dem Internetportal UOL: „Da muss die Regierung etwas tun, wir dürfen der Gefahr der Gentrifizierung des Fußballs nicht gleichgültig gegenüberstehen.” Rebelo pries in diesem Zusammenhang die Bundesliga als leuchtendes Vorbild.

Wer derzeit die Nachrichten-Sendungen der großen brasilianischen TV-Stationen einschaltet, sieht ohnehin immer wieder die gleichen Bilder: Feuer auf den Straßen, vermummte Demonstranten, bewaffnete Polizisten. Und pünktlich zu Beginn des Confed Cups, der Generalprobe für die WM in einem Jahr, haben die Proteste gegen die Fahrpreiserhöhungen im öffentlichen Nahverkehr auch den Confed Cup erfasst. Vor dem Auftakt am Samstag in Brasilia demonstrierten laut Angaben der Organisatoren 1000 Menschen vor dem Stadion – auch gegen die „Copa da Corrupcao”, den Cup der Korruption. Die Polizei sprach von 500 Leuten, die sich weitgehend friedlich den Weg zum „Mane Garrincha” bahnten.

„Wir respektieren das Recht der Menschen auf Meinungsfreiheit und haben vollstes Vertrauen in die Behörden. Und die Proteste stehen, soweit wir wissen, nicht in direktem Zusammenhang mit dem Event”, sagte Fifa-Sprecher Pekka Odriozola am Samstag in Rio. Dass es auch und vor allem gegen Fifa-Boss Sepp Blatter und Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff Pfiffe gab, konnte einer nicht verstehen: Blatter. „Liebe Freunde des Fußball: Wo ist der Respekt und das Fairplay, bitte?”, fragte er bei seiner Ansprache die Fans.

 

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