Brandbrief an Innenminister Herrmann Weil die S3 durchfährt: Bürgermeister schlagen Alarm

Im Schnitt fährt an jedem zweiten Tag eine S-Bahn einfach durch. Die Fahrgäste und Pendler bleiben im wahrsten Sinne des Wortes sitzen. Foto: dpa

Weil die Züge der S3 immer öfter durch die Bahnhöfe der Umlandgemeinden durchfahren, haben die betroffenen Bürgermeister einen Beschwerdebrief an Innenminister Herrmann geschrieben. Die Praxis ist nicht rechtmäßig.

 

München - Wer als Pendler auf die S-Bahn angewiesen ist, der hat im Münchner Umland oftmals schlechte Karten. Denn vor allem die S3 fährt immer öfter durch Bahnhöfe durch, um bereits eingefangene Verspätungen wieder auszugleichen.

Vor allem die nordwestliche umliegenden Gemeinden Münchens leiden darunter. Deswegen haben die Landräte bzw. Bürgermeister von Olching und Gröbenzell und der Bezirksausschuss von Langwied-Lochhausen jetzt einen Beschwerdebrief an Innenminister Joachim Herrmann geschrieben und um eine Stellungnahme gebeten.

Die Strafen nutzen den Fahrgästen nicht

"Die Deutsche Bahn AG verfolgt ein kontraproduktives Konzept, um verspätete S-Bahnenwieder 'ins rechte Lot' zu bringen. Leider geschieht dies ausschließlich auf Kosten derjenigen, für die das Unternehmen eigentlich zur Verfügung steht - ihrer Kundinnen und Kunden", heißt es in dem Schreiben, das der AZ vorliegt.

Besonders regt die Politiker auf, dass sich die Bahn so eigentlich um ihre eigenen Mühen bringt, Pendler weg vom Auto hin zur Bahn zu bewegen: "Der bewährte Kurs - möglichst weg vom Individualverkehr, hin in Richtung umweltfreundlicher Beförderung - den der Freistaat Bayern bereits seit längerer Zeit beschreitet, wird durch solche Einfälle schlicht und ergreifend ad absurdum geführt. Konsequenz dessen ist nämlich, dass die Pendlerinnen und Pendler sich auf „ihre“ Züge nicht mehr verlassen können, sich in der Folge wieder von diesem Königsweg abwenden und sich nach anderen Fahrmöglichkeiten umsehen. Noch mehr verstopfte Straßen sind zu erwarten" schreiben die Bürgermeister.

Fahrgäste akzeptieren Verspätungen - aber nur sinnvoll begründete

Weiter argumentieren die Verfasser, dass Fahrgäste nicht von der Bahn verschuldete Verspätungen ("Stichwort: Person im Gleis") durchaus akzeptieren würden, "nicht mehr akzeptieren wird man, wenn die S-Bahn dann einfach durchfährt, weil man vielleicht einen Haltepunkt mit 'geringerem Verkehrsaufkommen' nutzt".

Die S-Bahn habe zudem vertragliche Pflichten, und die bestünden nunmal darin, die Haltestellen zu bedienen. Zwar muss die Deutsche Bahn bei durchgefahrenen Bahnhöfen Strafe an die Bayerische Eisenbahngesellschaft zahlen, davon aber haben die Fahrgäste nichts - die stehen trotzdem am Gleis und müssen auf die nächste Bahn warten.

Zudem kommt es zu erheblichen Folgebehinderungen, wenn die S-Bahn einen Bahnhof auslässt: da viele Regionlbusse mit dem Fahrplan der Bahn verzahnt sind, "ist jede Station wichtig. Ausgelassene S-Bahn-Halte stellen das
gesamte System in Zweifel".

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Im Schnitt 14 Mal im Monat führen alle S-Bahnen bis auf S1 und S7 an Bahnhöfen durch, also sprich an jedem zweiten Tag, beklagen sich die Lokalpolitiker. Und weisen in der Bitte um Stellungnahme von Innenminister Herrmann darauf hin, wie dringend das ganze Thema ist: "dass allein dieses Schreiben von allen Kommunen am nordwestlichen Ast der S-Bahn-Linie 3 mitgetragen wird, beweist die Bedeutung, die wir der Reaktion der bayerischen Staatsregierung in dieser Angelegenheit beimessen".

 

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