Bolt über den Bayern-Doc "Der beste Arzt der Welt!"

Er hat Usain Bolt fitgemacht: Der Bayern-Doc  Müller-Wohlfahrt betreut in seiner Praxis internationale Stars – von U2-Sänger Bono über Lothar Matthäus und Boris Becker

 

München - Mario Gomez kam um viertel nach neun, Bastian Schweinsteiger zwei Stunden später, mit dem Radl. Auch Bode Miller hatte am Montag einen Termin im Alten Hof und sagte der AZ: „Für die Probleme, die ich habe, ist der Doc genau der Richtige.”

Der Doc: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, Spitzname Mull, am Sonntag wird der Arzt, dem die Promis vertrauen, 70 Jahre (dabei sieht er aus wie 50). Die Gratulantenschar: globales „Who is who”. Usain Bolt gratulierte vorab aus London, hinter der Ziellinie des 100-Meter-Laufs: „Der Doktor ist ein ganz großer Mann. Er hat einen tollen Job gemacht. Er ist der beste Arzt der Welt. Ein Stück dieser Medaille geht auch nach Deutschland.”

Seit Geburt leidet der schnellste Mann der Welt an Wirbelsäulenschmerzen. Als er im Mai zwei Rennen gegen seinen Landsmann Yohan Blake verlor, ließ er sich einen Termin beim Doc in München geben. Mull behandelte Bolt im Rahmen einer Kälteschocktherapie mit flüssigem Stickstoff und spritzte ein Extrakt aus dem Hahnenkamm ins Knie. Bolt sagt: „Müller-Wohlfarth hat großen Anteil an meinem Erfolg. Nach den Trials war ich bei ihm. Er hat mich behandelt und gesagt, dass ich bei den Spielen Großes leisten werde. Er ist mehr als mein Arzt. Er führt mich zum Essen aus, kümmert sich um mich. Ich danke ihm und den Frauen in seiner Praxis.”

Die Liste der Dankbaren ist ellenlang: Im Mai 2010 war U2-Sänger Bono wegen eines Bandscheibenvorfalls mit Lähmungserscheinungen in ein Münchner Klinikum eingeliefert worden – und bedankte sich beim Konzert im September vor 70000 Fans im Olympiastadion beim Doc. Golf-Star José María Olazabal schenkte ihm nach geglückter Heilung das überaus begehrte grüne Sieger-Jackett der Masters in Augusta. Lothar Matthäus, einst mit Doc-Tochter Maren liiert, lobt Mulls „Radarfinger”, die Sunday Times nennt ihn „Dr. Feelgood”, Boris Becker bezeichnet ihn als „seelisches Wannenbad”, Jürgen Kohler schwärmt: „Er versenkt sich in jeden einzelnen Muskel. Wenn er sagt, das ist ein Faserriss, ist das einer. Wenn er sagt, in zwei Wochen spielst du wieder, spielst du auch wieder. 100 Prozent.”

Ex-Liverpool-Star Jamie Redknapp sagte: „Seine Methoden klingen wie Frankenstein-Experimente, aber ich kann sagen: Hans hat mich damit geheilt.” Die Waden von Stephen Roche, der Bizeps von Linford Christie, der Rücken von Merlene Ottey, der Oberschenkelbeuger von Boris Becker, die Bandscheibe von Javier Bardem: Müller-Wohlfahrt hat alles wieder heil gemacht. Seine Tochter Maren, mittlerweile dreifache Mama in Palermo, weiß auch wie: „Immer ist mir aufgefallen, wie er sich konzentrieren kann und wie er sich in den Körper hineinfühlt. Er ist dann nicht mehr in dieser Welt.”

Aber in seiner 1600 Quadratmeter großen Praxis am Alten Hof ist er meistens. Auf die Frage, ob er nicht manchmal schmunzelt, wenn im Wartezimmer Usain Bolt neben Tyson Gay sitzt, antworte Müller-Wohlfahrt dies: „Fünf von den acht Teilnehmern aus dem 100-Meter-Endlauf der WM 2009 in Berlin waren zuvor hier. Ich habe gesagt: Nächstes Mal machen wir den Endlauf gleich in München, im Olympiastadion.” Und ein Nachfolger für den Unermüdlichen ist womöglich auch schon in Sicht: Sohn Kilian, derzeit Sportmediziner im Klinikum rechts der Isar.

 

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