Bluttat in Obersendling Katrin Michalk: Ihr Mörder läuft frei rum

Am 4. Januar wird Katrin Michalk an ihrer Haustür in Obersendling ermordet. Das letzte Foto (links) von ihr stammt aus einer Überwachungskamera in der S-Bahn. Foto: Polizei

Der Fall von Katrin Michalk (†31) ist einer der ungewöhnlichsten in München – nach 14 Tagen tappen die Fahnder noch immer weitgehend im Dunkeln

 

Ein brutaler Killer läuft durch die Stadt. Er ermordet am 4. Januar in Obersendling die Verlagsangestellte Katrin Michalk mit 18 Messerstichen. Seitdem ist er spurlos verschwunden. Die Mordkommission tappt im Dunkeln.

KEINE HEISSE SPUR „Wir haben keinen konkreten Ansatz“, sagt Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission. „Wir ermitteln noch immer im Umfeld des Opfers.“ Das heißt, es werden Freunde, Kollegen und Familie befragt. Zwei Ermittler sind in Bautzen, Dresden und Leipzig. Das Opfer hat Verwandte und Freunde in Sachsen.

DIE PROFILER Sie kommen bei einem Mord immer dann ins Spiel, wenn es scheinbar kein Motiv gibt und nichts im Fall so richtig zusammenpassen will. Alexander Horn und sein Team beim K16 „Operative Fallanalyse“ unterstützen seit Donnerstag die Soko „Aidenbach“.

DIE FAHNDER Die Münchner Mordermittler sind Erfolge gewöhnt. Ihre Aufklärungsquote liegt bei fast 100 Prozent. Den Mord an zwei Schwestern in Krailling im März 2011 hatten sie nach nur neun Tagen geklärt. Der Täter, der Onkel von Sharon (†11) und Chiara († 8), bekam 2012 Lebenslänglich.

EINE BEZIEHUNGSTAT? Ob auch Katrin Michalk ihren Mörder kannte, ist unklar. „Die Brutalität, mit der die Tat verübt wurde, lässt darauf schließen“, sagt Thomas Steinkraus, Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft. Der Mörder stach 18 Mal zu, mit solcher Wucht, dass die Klinge schließlich abbrach. Eine „heiße Tat“, wie Ermittler sagen, bei der Hass und Aggressionen eine Rolle spielen.

ODER EIN ZUFALLS-OPFER? Möglicherweise hat der Täter aber auch wahllos getötet. Er könnte Katrin Michalk zufällig begegnet sein, sie verfolgt und dann erstochen haben. Solche Fälle sind selten, doch es gibt sie (siehe Bericht unten). Diese Morde sind ganz besonders schwer zu klären. Denn es gibt keine Verbindung zwischen Opfer und Täter, kein nachvollziehbares Motiv. DAS MOTIV Sicher sind sich die Mordermittler derzeit in nur zwei Punkten: Es war kein Raubmord. Der Täter hat weder Geld, noch Schmuck oder das Handy des Opfers gestohlen. Es war aber auch kein Sexualverbrechen. Das ergab die Obduktion der Leiche.

MODUS-TÄTER Darunter verstehen Kriminaler einen Täter, der immer auf die selbe Art vorgeht. So wie der Sohn eines Hausmeisters aus München. Frank N. griff in Schwabing in den 90er Jahren wahllos Frauen an und stach sie nieder. Die Frage, ob es die Mordkommission auch diesmal mit einem Frauenhasser zu tun hat, lässt sich derzeit nicht beantworten, heißt es bei der Polizei.

STALKER Auch dieser Ansatz wurde verfolgt. Ein Verdächtiger aus der Gegend ist bereits überprüft. Er hat ein Alibi, hat das Opfer nicht gekannt.

VEREHRER Katrin Michalk war eine sympathische Frau – sportlich, unternehmungslustig, gesellig. Sie hatte viele Bekannte und Freunde. Möglicherweise gibt es einen Verehrer, dessen Gefühle sie nicht erwiderte. So jemand käme als Täter in Frage. Doch die 31-Jährige erzählte weder im Freundes- noch im Kollegenkreis davon. Klar ist inzwischen: Ihr Lebenspartner und zwei Ex-Freunde von Katrin Michalk scheiden nach Polizeiangaben als Tatverdächtige aus.

DER MORD Katrin Michalk hat sich verzweifelt gewehrt. 18 Mal stach der Mörder auf sie ein. Zwei der Stiche waren tödlich, einer davon traf das Herz. Der Mörder kam dem Opfer beim Kampf sehr nahe. Er müsste Spuren hinterlassen haben. Fasern der Kleidung, möglicherweise Schweiß, Hautschuppen, Haare.

DAS BEWEISSTÜCK: Die Daunenjacke, die Katrin Michalk am Tatabend trug, könnte helfen, ihren Mörder zu überführen. Im Labor der Gerichtsmedizin wird sie untersucht. Sie ist in rund 1500 Planquadrate eingeteilt. 500 von ihnen wurden bereits auf fremde DNA untersucht. Bisher offenbar Fehlanzeige. Selbst wenn es gelingt, einen genetischen Fingerabdruck zu erstellen, ist der Täter noch nicht ermittelt. Dazu müssten seine Daten beim BKA gespeichert sein.

DIE TATWAFFE: Der Mörder hat mit einer Art Küchenmesser zugestochen. Die Klinge wird von Experten des Landeskriminalamtes untersucht. Sie weist offenbar keine Besonderheiten auf, keine besonderen Abnutzungsspuren. Das LKA untersucht ein Vergleichsmesser.

1200 SPUREN: Die Kriminaltechnik verfolgt derzeit 1200 Spuren. Jeder Kontakt, den das Opfer zuletzt hatte, wird überprüft. 30 Hinweise aus der Bevölkerung gingen bisher ein. Keiner brachte die Ermittlungen auch nur einen Schritt dem Frauen-Mörder näher.

DAS INTERNET Katrin Michalk hatte viele Freunde bei Facebook. Ihr Computer am Arbeitsplatz wird genauso ausgewertet, wie ihr privater Laptop. Die Fahnder hoffen, im Wust der gespeicherten Daten und Verbindungen eine Spur zu finden, die sie bis zum Mörder zurückverfolgen können.

HANDY-KONTAKTE Auch der Datenspeicher ihres Handys wird ausgewertet. Sämtliche Telefonate und Kurznachrichten, die von dem Gerät aus geführt wurden, bzw. ein- oder ausgingen, müssen überprüft werden. Üblich ist auch, dass die Polizei überprüft, welche Handys zur Tatzeit in einem Mobilfunkmast in der Nähe des Tatorts eingeloggt waren.

DER ABSCHIED: Am Samstag wird Katrin Michalk in Klix, einem Dorf nahe Bautzen beerdigt.

 

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