Bluttat Chronologie: Tödliche Anschläge bei Gericht

Betroffenheit bei Justizministerin Beate Merk und dem Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz auf der Pressekonferenz am Mittwochabend in Dachau: Der Mörder des erschossenen Staatsanwalts war im Gericht nicht auf Waffen kontrolliert worden. So hatte er eine illegale Waffe mit in den Gerichtssaal schmuggeln können. Foto: AZ/ Jörgensen/Süddeutsche Zeitung, dapd; Lennart Preiss

Im Dachauer Amtsgericht war der Angeklagte nicht kontrolliert worden. Doch auch Sicherheitsvorkehrungen in Gerichten können blutige Angriffe nicht immer verhindern. Eine Chronologie

Berlin - Schüsse und Messerstechereien im Gericht sind keine Seltenheit. Immer wieder werden Anwälte, Staatsanwälte, Richter und Angeklagte Opfer von Attacken. Am Mittwoch wurde ein 31 Jahre alter Staatsanwalt im Dachauer Amtsgericht von drei Schüssen getroffen und erlag wenig später seinen Verletzungen. Der 54 Jahre alte Angeklagte hatte in einem Strafverfahren wegen Vorenthaltens von Arbeitsentgelt während der Urteilsverkündung die Waffe gezogen. Eine Auswahl spektak

Juli 2009: Während einer Verhandlung am Dresdner Landgericht ersticht der Angeklagte eine als Zeugin geladene Ägypterin. Der Russland-Deutsche tötet die Frau aus Fremdenhass und muss lebenslang in Haft.

April 2009: Im Landshuter Landgericht erschießt ein Mann seine Schwägerin und nimmt sich danach das Leben. Zwei weitere Menschen werden bei der Schießerei vor einem Sitzungssaal verletzt.

Mai 1998: Ein 69-Jähriger erschießt aus Rache und Hass auf die Justiz einen 52 Jahre alten Amtsrichter in dessen Dienstzimmer in Essen. Dann tötet er sich selbst.

Februar 1998: Ein Angeklagter schießt im Gerichtssaal in Aurich (Niedersachsen) einen Staatsanwalt an und erschießt sich selbst.

März 1997: Ein 39-jähriger Polizist erschießt in einem Amtsgericht in Frankfurt/Main seine Ex-Lebensgefährtin und verletzt deren Anwältin schwer.

Januar 1995: Ein 54-Jähriger schneidet einer Richterin im Kieler Amtsgericht die Kehle durch. Er hatte irrtümlich angenommen, sie sei für seine Sorgerechtsangelegenheit zuständig.

März 1994: Im Gericht in Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) zündet ein 39-Jähriger einen Sprengsatz, da seine Ex-Freundin ihn wegen Körperverletzung verklagt hatte. Bilanz: sieben Tote, darunter die Frau, der Richter und der Täter selbst.

1986 erschoss der „St.Pauli-Killer“ im Hamburger Polizeipräsidium während seiner Vernehmung einen Staatsanwalt, seine Frau und am Ende sich selbst. Die Waffe hatte er mithilfe seiner Anwältin einschmuggeln können. Vor dem Hintergrund der brutalen Machtkämpfe auf dem Hamburger Kiez in den 80er Jahren mit zahlreichen Auftragsmorden schlug der Fall große Wellen.

März 1981: 1981 erschoss die verzweifelte Mutter Marianne Bachmeier im Lübecker Landgericht den Mörder ihrer kleinen Tochter. Die damals 30-Jährige hatte es geschafft, eine Waffe mit ins Gericht zu nehmen. Es war der dritte Verhandlungstag im Prozess gegen Klaus G., der im Mai 1980 Bachmeiers siebenjährige Tochter sexuell missbraucht und aus Angst vor Bestrafung erdrosselt hatte.

  

 

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