Blues-Rock auf Tollwood ZZ Top: Tres Hombres und der Boogie-Geist

Choreografie in reduzierter Vollendung: Bassist Dusty Hill und Gitarrist Billy Gibbons. Foto: Sigi Müller

Sensibel wie eine Dampfwalze: ZZ Top und ihr Auftritt auf dem Tollwood-Festival.

 

Krachender Bluesrock, zeitlos und dennoch immer wieder frisch. Seit 1969, alle Jahre wieder: ZZ Top. Auch im ausverkauften Tollwood-Zelt konnte das Texas-Trio trotz stickiger Luft und gefühlten 40 Grad wieder ein Fass aufmachen.

Dabei bewegen sich die Drei anscheinend zielsicher direkt auf einen Punkt zu, an dem sie zur Karikatur ihrer selbst werden. Gitarrist Billy Gibbons und Bassist Dusty Hill geben mit ihren langen Rauschebärten immer noch den Alm-Öhi und Vader Abraham; der Schlagzeug-Schlumpf Frank Beard wütet hinter einer wuchtigen Trommel-Anlage, die einer Zeitmaschine aus einem Jules-Verne-Film gleicht.

Dazu Videos mit Roadmovie-Elementen, inklusive natürlich knackige, sexy Mädels, die in Texas offenbar hinter jedem Kaktus wachsen. That's anscheinend Rock'n'Roll – lang leben die Klischees! Wer’s jedoch wirklich wissen will, der schließt zeitweise mal die Augen, blendet die Show aus, und konzentriert sich ganz auf die Musik: Bluesrock und Boogie, rau, hart, ungeschliffen – und immer wieder packend.

Als Opener „Got Me Under Pressure“, ziemlich schnell dann der Welthit „Gimme All Your Lovin’“, aus dem neuen Album „La Futura“ dann „Pincushion“ – und schließlich „Foxy Lady“ von Jimi Hendrix. Natürlich nicht annähernd so virtuos wie vom Gitarrengott selbst, aber immerhin. Und weil's gerade so gut läuft, gegen Schluss noch „Sharp Dressed Men“ und „My Head’s In Mississippi“. Alles in allem eine wuchtige Breitseite, sensibel wie eine Dampfwalze - ein Schmankerl der naturbelassenen Rockmusik.

 

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