Blitzkritik Jenseits der Stille

Stephen Rea und Lotte Verbeek in "Nothing Personal" Foto: dpa

Urszula Antoniaks „Nothing Personal“: Die Einsamkeit als (un)mögliche Befreiung

 

In der Stille Connemaras sucht sie Einsamkeit, die mehr als schlichtes Alleinsein ist. Es ist der Zustand absoluter Ruhe, in der man eine Leere in sich zu verarbeiten versucht. Und die rothaarige junge Frau (Lotte Verbeek) verteidigt diese Unabhängigkeit im Alleinsein mit trotziger Unnahbarkeit. Die Niederlande und ein Zuhause hat sie aufgegeben. Nur mit Zelt und Schlafsack auf dem Rücken lässt sie eine Vergangenheit hinter sich, um ohne Ziel loszulaufen. Bis sie auf einen Menschen stößt, der wie sie selbst ist – allein. Zwar lebt Martin (Stephen Rea) ein komfortableres Eremitendasein an der Spitze einer Landzunge, im beheizten Haus mit Musik und Rotwein. Aber auch er ist allein und will es bleiben. Die Einsamen bilden eine Zweckgemeinschaft.

Urszula Antoniak skizziert nur am Rande, wie diese beiden Menschen zu Einzelgängern wurden. Sie vermittelt mehr in Bildern als mit Worten die Melancholie des Alleinseins. Im wunderschön-herben, hellen Gesicht von Lotte Verbeek sieht man leise Regungen, ein angedeutetes Lächeln, die Sehnsucht nach Nähe verraten – und wie sie diese Bekenntnisse zu bekämpfen versucht. Stephen Rea ist der brummelnde Einsiedler-Typ. Und das tief menschliche Streben nach Gesellschaft treibt letztlich beide aufeinander zu.adp

Kino: Atelier, Arena, Filmcasino, Theatiner in OmU, R&B: U. Antoniak (NL, 85 Min.)

 

0 Kommentare