Blitzkritik Jäger und Gejagte in einer brutalen Welt

Rafi Pitts als Ali Alavi in dem Drama "Zeit des Zorns" Foto: Neue Visionen Filmverleih/ddp

„Zeit des Zorns“, ein politischer Thriller aus dem modernen Teheran von und mit Rafi Pitts

 

Eine schmerzhafte Polit-Parabel, ein Thriller voller lakonischer Grausamkeit: In seinem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Zeit des Zorns“ (im Original: „Der Jäger“) erzählt der iranische Regisseur Rafi Pitts, der seine Filme als Autor in Paris finanziert, die Geschichte eines Mannes, der seine Trauer in Rache verwandelt.

Ali (Pitts spielt ihn selbst) findet nach der Entlassung aus dem Gefängnis (warum er dort war, erfährt der Zuschauer nicht) nur noch einen Job als Nachtwächter in einer Teheraner Autofabrik. Seine Familie, die alles ist, was er hat, kann er noch weniger sehen. Eines Morgens findet er die Wohnung verwaist vor. Stunden später, nach demütigendem Warten, erklärt ihm ein Polizist, dass Alis Frau und die sechsjährige Tochter bei einem Gefecht „zwischen Aufständischen und der Polizei“ erschossen wurden.Hobby-Jäger Ali sieht rot, erschießt von einem Hügel aus mit seinem Gewehr zwei Verkehrspolizisten auf der Autobahn und flüchtet in seinem alten Chevrolet, der grün ist wie die Farbe der persischen Oppositionsbewegung. In einem Gebirgswald im Norden spüren zwei miteinander zerstrittene Polizisten ihn auf – und verirren sich mit ihrem Gefangenen. In einer überraschenden Volte verwischt Rafi Pitts nun die Grenzen zwischen Jägern und Gejagten, Tätern und Opfern. Einer vagen Willkür sind alle ausgeliefert in diesem bitteren modernen Rache-Porträt.

Angie Dullinger

Kino: Arena, Monopol, R & B: Rafi Pitts (Iran, F, D, 90 Min.)

 

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