Blitzkritik Herkulessaal: Bruckners Messe in f-moll

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Bruckners Messe in f-moll hat der Philharmonische Chor seit Celibidaches Zeiten nicht mehr gesungen. Der Chor griff daher zur Selbsthilfe. Er organisierte ein Sonderkonzert im Herkulessaal und holte sich die wackeren Münchner Symphoniker, die sich ins Zeug legten, als sei Bruckner ihr Tagesgeschäft.

Der Philharmonische Chor gehört zu den Thielemann-Geschädigten. Für die Totenmessen von Mozart oder Brahms verschmähte der städtische Kapellmeister die seinem Orchester traditionell verbundenen Stimmen. Er holte lieber die Berufssänger vom Bayerischen Rundfunk. In der laufenden Saison geht dem Chor der Münchner Philharmoniker Verdis „Requiem“ durch die Lappen, weil der Dirigent Valery Gergiev im Gegengeschäft zu einem St. Petersburger Gastspiel der Thielemänner den Chor seines Mariinsky-Theaters mitbringen darf.

Bruckners Messe in f-moll hat der Philharmonische Chor seit Celibidaches Zeiten nicht mehr gesungen. Der Chor griff daher zur Selbsthilfe. Er organisierte ein Sonderkonzert im Herkulessaal und holte sich die wackeren Münchner Symphoniker, die sich ins Zeug legten, als sei Bruckner ihr Tagesgeschäft. Natürlich klingen semiprofessionelle Laien weniger homogen und in den Höhen härter als der Profi-Chor vom BR. Menschlich ist es verständlich, bei einem solchen Anlass 120 Köpfe singen zu lassen, aber bei jedem Forte klingelten einem leider auch im hinteren Parkett-Drittel gewaltig die Ohren.

Der Dirigent und Chorleiter Andreas Herrmann baute die großen Chorfugen in Glas und Stahl. Er mied selbst im zarten „Et incarnatus“ jedes Misterioso und entschied sich für eine kernige Katholizität, die Bruckner gut ansteht. Die vorgesehenen Solisten Stefanie Irányi (Alt) und Andreas Hirtreiter (Tenor) machten ihre Sache so gut wie die Einspringer Cordula Schuster (Sopran) und Werner Rollenmüller (Bass). Von einer Konzertkrise war im restlos ausverkauften Herkulessaal nichts zu spüren.

Robert Braunmüller

 

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