Blitzkritik Grünwalder Einkehr: Sünde ohne Reue

Wirt Peter Pngratz Foto: Petra Schramek

Kein Problemfall mehr: Ein gemütlicher Abend in der "Grünwalder Einkehr".

 

Gleich am Ortseingang zu Grünwald steht am Isarhochufer ein schönes altes Wirtshaus, das aber bislang eher Anlass zum Kopfschütteln gab: Beste Lage, nicht übermäßig viel Konkurrenz, doch nie lief der Laden so richtig, denn in eher antiquiertem Ambiente waren oft nur die Preise saftig.

Dann übernahmen Alexandra und Peter Pongratz (bekannt als Wirtspaar vom Nockherberg) und sanierten drei Jahre lang mehr als gründlich vom Keller bis zum Dach. Wer nun die seit November wiedereröffnete Grünwalder Einkehr besucht, erkennt das Haus nicht mehr wieder, so sehr neu und anders ist’s dort nun.Zwar mag der erste Eindruck zwiespältig sein angesichts der Grünwalder Stilverwirrung: Da gibt es eine leuchtende Bollywood-Bar, einen Gastraum im Zirbelholzstüberl-Schick mit Glitzer-Sternenhimmel und grünen Kristallkügelchen am Leuchter – Moshammer selig hätte seine helle Freude gehabt.

Doch der Gastraum ist auf wundersame Weise trotzdem gemütlich. Schon ein schneller Blick auf die Karte zeigt, das wir hier nicht im Armenviertel sind: Die Vorspeisen kosten 5 bis 15, die Hauptspeisen 12 bis 30 Euro. Doch, wie sich herausstellen wird, kaum eine Sünde gegen den Geldbeutel muss man hier bereuen.

Bei den Vorspeisen gaben die sehr feine Steinpilzbratwurst (9,90) und der perfekt abgeschmeckte Bratkartoffelsalat mit Octopus (10,80) nicht den kleinsten Anlass zum Mäkeln. Fast etwas zu schnell brachte der freundliche und hilfsbereite Service die Hauptspeisen: Beim „Zweierlei vom Hirsch“ (geschmorter Schlegel und gebratenes Filet, 24,80) wurde das perfekte Fleisch sogar noch von den neun verschiedenen Beilagen übertroffen, darunter mit Speck aromatisierter frittierter Gries.

Das Saiblingfilet à la König Ludwig (22,80) war sehr gut, vielleicht eine winzige Spur zu trocken. Doch es überzeugte wie alle probierten Speisen mit einfachen, qualitativ hochwertigen Zutaten (hier: Spinat, Pilze, Kartoffelpüree). Leider nicht die größte Stärke der Küche sind offenbar die Nachspeisen, trotz der Garnierung mit Zuckergespinst von beeindruckender Statik: Sowohl dem Bayrisch-Creme-Haferl (7,80) wie auch dem Champagner-Weißbier-Tiramisu (8,60) fehlte in der Süße die Leichtigkeit. Trotzdem: Wenn Wirt Pongratz, was er oft tut, am späten Abend durch die Reihen geht, Hände schüttelt und nach dem Rechten sieht, dann möchte man ihm von Herzen gratulieren, dass die neue alte Einkehr nun kein Problemfall mehr ist.Michael Grill

Grünwalder Einkehr, Nördliche Münchner Straße 2, Grünwald, Tel. 12592549-0 , geöffnet täglich 9 bis 1 Uhr

 

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