Blitzkritik Für alle, die vom selben Stern sind: Ich+Ich in der Oly-Halle

Sänger und Frontmann Adel Tawil Foto: dpa

Zwei für alle, alle für zwei, und jeder singt mit - Massenbegeisterung in der Olympiahalle: Annette Humpe und Adel Tawil sind Ich+Ich.

 

Hellseherische Fähigkeiten waren nicht gefragt, um voraussagen zu können, dass das seltsame Duo Ich+Ich mühelos die Olympiahalle ausverkaufen würde. Dabei lässt sich das eine „Ich", nämlich Songschreiberin und Produzentin Annette Humpe, überhaupt nicht auf der Bühne blicken, sondern bleibt zu Hause und pflegt sowohl ihr Lampenfieber als auch den Song-Nachschub. Das andere „Ich", Sänger und Frontmann Adel Tawil, 25 Jahre jünger als die NDW-Ikone Humpe, hat aber inzwischen so viel Stehvermögen und Charisma, einen langen Konzertabend auch allein tragen zu können. Der schier unglaubliche Erfolg des Duos hat ihn stark gemacht. Auch in München tobte der Beifall, und zwar von Anfang bis Ende.

In der Arena steht neben der Hauptbühne noch eine kleine für einen intimen Set; beide Spielflächen sind durch geschwungene Alu-Konstruktionen verbunden. Doch bevor man sich noch richtig wundern kann, was das alles soll, legt Tawil mit seiner Band schon den ersten Hit auf: „Einer von zweien". Dann etliches aus dem neuen Album „Gute Reise", zwischendurch wieder Altbekanntes wie die Durchhalte-Hymne „Mach dein Licht an". Die Fans singen Zeile für Zeile auswendig mit, sind einfach happy.

Auch der Gastauftritt des ägyptischen Gaststar Mohamed Mounir wird frenetisch gefeiert; hier hat niemand Angst vor fremden arabischen Tönen. Der melancholische Pop von Ich+Ich lebt ja vor allem von unter die Haut gehenden Texten. Wer bei „Hilf mir" oder „Was wär' ich ohne dich" cool bleibt, der ist tot. Da vergisst man auch gerne mal die gefährliche Nähe dieser Musik zum Schlager. Doch live ist mehr Platz für Rock- und HipHop-Elemente als auf CD. Und das macht die Sache rund, für alle, die vom selben Stern sind.

Arno Frank Eser

 

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