Blitzkritik Fehlfarben im Backstage: Respektable Gegenwart

Fehlfarben im Backstage Foto: Dorothee Falke

Der Sound der deutschen NDW-Legende Fehlfarben war fester Bestandteil des Gefühlshaushalts jeder Post-Punk-Jugend in den 80ern. Dafür, dass das gefühlte 100 Jahre her ist, hat die Band eine sehr respektable Gegenwart, wie man auch auf ihrer gerade erschienenen neuen Platte hören kann.

 

Der Sound der deutschen NDW-Legende Fehlfarben war fester Bestandteil des Gefühlshaushalts jeder Post-Punk-Jugend in den 80ern. Dafür, dass das gefühlte 100 Jahre her ist, hat die Band eine sehr respektable Gegenwart, wie man auch auf ihrer gerade erschienenen neuen Platte hören kann. Im Backstage reichte der Publikumszuspruch dennoch nicht für die Halle, sondern nur für den Club, der dann aber auch wirklich voll war.

Die Formation um den genialischen Texter und dilettantischen Sänger Peter Hein setzte neue „Glücksmaschinen“ neben die uralte „Apokalypse“ und „Gott sei Dank nicht England“, was im Prinzip ganz gut funktionierte, aber im Detail zu gleichförmig und fahrig dargeboten wurde. Die Hymne „Ein Jahr“ ließen sie auf Klingeltonformat schrumpfen, selbst der „Paul“ war nicht mehr so richtig schaurig tot, wie er es eigentlich sein sollte.

Da war doch die Überraschung mit der Punk-Combo Herpes im Vorprogramm positiver: Die Berliner haben offenbar tief in die blauen Augen von Ideal geschaut, sehen auch aus wie ein Direktimport aus den 80ern, spielen aber aktuellen und intensiven Deutsch-Punk. Fehlfarben hatten sozusagen ihre Kinder mitgebracht, und die stahlen ihnen ein bisschen die Show.

Michael Grill

 

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