Blitzkritik Ein Asterixheft in lebenden Bildern

Illustration Foto: abendzeitung

Die Philhomoniker mit der Oper „Julius Cäsar – Kopflos in Ägypten“ sehr frei nach Händel

 

Auch wenn sich Kunstschaffende alle Mühe geben, stets aktuelle Bezüge zum Leben da draußen zu schaffen, hat man doch selten ein derart starkes Déjà-vu wie an diesem Abend in der Black Box: Gerade eben stand man noch zwischen schräg kostümierten Karnevalisten in öffentlichen Verkehrsmitteln, schon sieht man sie auf der Bühne wieder.

Denn die Uraufführung von „Julius Cäsar – Kopflos in Ägypten“, einer Händel-Variante der Philhomoniker, hatte einiges von Faschingstreiben. Der Chorleiter Alexander Strauch hat „Giulio Cesare in Egitto“ auseinandergenommen und in Teilen neu zusammengesetzt, verquirlt mit schlagerhaft anmutenden Eigenkompositionen. Das Ergebnis ist eine ausgesprochen bunte, einstündige Show des schwulen Männerchors, bei der Kleopatra Perücke und Bartstoppeln trägt und ungemein grazil getanzt wird.

Eine „Comic-Oper“ hatte Regisseurin Martina Veh im Sinn, und diese Neuschöpfung trifft es gut: Überzeichnet ist hier vieles, aber selten ins Lächerliche gezogen – also beileibe nicht parodistisch. Die geschickt eingesetzten Kostüme von Nikolaus Maier, die eigentlich nur aus zusammengeklappten Pappen bestehen, erinnern tatsächlich stark an Asterix-Hefte. Doch das Sympathischste ist die Spielfreude des Chors, der eine gute Ensembleleistung hinlegt: ulkig, charmant, unorthodox. Wenn der in dieser Inszenierung schwul gewordene Sextus an Tolomeos Adresse singt: „Bübchen, sei nett / Spar die Glut für mein Bett“, ist das sicher kein Ersatz für Händel – aber eine recht amüsante Ergänzung.

Julia Bähr

i-camp, Entenbachstraße 37, 26. und 27. 2. 20.30 Uhr, 28. Februar, 18 Uhr, Tel. 65 00 00

 

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