Blitzkritik Bushidos „Zeiten ändern dich“: Unfreiwillig komisch

Der Ansatz mit dem sich Uli Edel und Bernd Eichinger dem Bushido-Phänomen nähern: Leichtfüßig, klamaukig, märchenhaft. Das omnipräsente Schreckgespenst Bushido entzaubert sich dabei selbst mit unfreiwillig komischen Kommentaren aus dem Off („Wer keinen Respekt hat, der ist ein Opfer!“).

„Bushido! Bushido!“ Seit Minuten skandieren die Fans seinen Namen. Doch die Bühne am Brandenburger Tor bleibt verweist. Bushidos Crew wird langsam nervös. Denn niemand weiß, wo sich der Star des Abends versteckt hält. Um die aufgebrachte Menge zu beruhigen hat Bushido-Kumpel Kay One die rettende Idee: „Hey Karel, du hast doch einen geilen Song!“. Karel Gott nickt kurz und entert die Bühne. DJ Stickle dreht die Plattenteller und die 70-Jährige goldene Stimme aus Prag beginnt laut zu intonieren: „In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit, war eine Biene sehr bekannt…“ Zuerst reagieren die jugendlichen Fans irritiert, aber spätestens beim Refrain „Und diese Biene, die ich meine nennt sich Maja“ singen alle mit und der Abend ist gerettet.

Diese wunderbar skurrile Szene steht stellvertretend für den Ansatz mit dem sich Uli Edel und Bernd Eichinger dem Bushido-Phänomen nähern: Leichtfüßig, klamaukig, märchenhaft. Das omnipräsente Schreckgespenst Bushido entzaubert sich dabei selbst mit unfreiwillig komischen Kommentaren aus dem Off („Wer keinen Respekt hat, der ist ein Opfer!“).

Als inhaltliche Klammer für den harmlosen Episodenfilm dient eine Fahrt im Tourbus, in der Bushido über sein Leben reflektiert. Erinnerungen kommen hoch an den alkoholkranken Vater, der seine Mutter (Hannelore Elsner) schlägt, an seine erste Freundin, an seine Zeit als Dealer und Sprayer. Die Auseinandersetzung mit Erzfeind Sido unterschlägt „Zeiten ändern dich“. Edels fiktive Biografie ist immer dann am schwächsten, wenn sie ernsthaft die Probleme des Aggrorappers analysieren will. Peinlicher Höhepunkt ist Bushidos körperliche Auseinandersetzung mit seiner Freundin. Doch meistens regiert die Lust an der unfreiwilligen Komik, wenn korpulente Araber Säbel schwingend durch die Szenerie rennen oder Bushido als Schüler sich rappend an Goethes „Erlkönig“ versucht.

Florian Koch

 

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