Blitzkritik "30 Seconds To Mars": Bombastische Beliebigkeit

Jared Leto: Musiker und Schauspieler Foto: dpa

100 pathosgetränkte Minuten: "30 seconds to Mars" gastieren im Zenith.

 

Bedrohlich zucken Lichtblitze zu sphärischen Synthieklängen, martialischer Trommelwirbel lässt die Halle erbeben. 30 Seconds To Mars landen stilvoll zur „Escape“-Ouvertüre im ausverkauften Zenith. Statt eines mandeläugigen Außerirdischen erscheint unter wehenden weißen Fahnen ein androgyner Derwisch mit verspiegelter Sonnenbrille und lässiger Lederjacke auf der Bühne.

Jared Leto, Teilzeitschauspieler und Kopf der Alternative-Rockband beweist in 100 pathosgetränkten Minuten, dass er nicht vom roten Planeten sondern vom Planet Hollywood abstammt. Jede Pose wirkt einstudiert, jeder Spruch („Ich liebe disch“) kalkuliert und die Konzertdramaturgie, samt Bad in der Menge perfekt durchkomponiert.

Im ersten Teil seiner Inszenierung von Spielbergscher Qualität dominieren bombastische Rockhymnen („From Yesterday“), die das vornehmlich weibliche Publikum erst einmal auf Mitsing-Betriebstemperatur bringen. Leto, mittlerweile beim weißen Shirt angekommen kämpft bei seinen, an „Linkin Park“ erinnernden, lang gezogenen Schreiattacken tapfer gegen die miese Akustik an.

Die politische Botschaft seines jüngsten Albums soll ein „This Is War“-Videoeinspieler vermitteln. Am Ende bleibt es bei einer schick geschnittenen Beliebigkeits-Bilderfolge mit prominenten Gesichtern wie Martin Luther King und George W. Bush.

Im Akustikset drosselt Leto das Tempo, um mit Gitarreneinlagen, Pianospiel und einer hohen Stimmlage aufzutrumpfen. Nur schwer nimmt die 30 Seconds To Mars-Bombastshow wieder an Fahrt auf, aber Letos enthusiastische Fäkalwörter-Anfeuerungen bringen die Fans bis zum „Kings And Queens“-Schlussakkord wieder in Stimmung. Florian Koch

 

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