Bizarre Mieten Palais an der Oper: 4600 Euro für 87 Quadratmeter

Schöner Wohnen im Opern-Palais - Für 52,90 Euro pro Quadratmeter! Foto: Zeichnung: Hilmer & Sattler

Die Wohnungen in der ehemaligen Residenzpost werden nicht verkauft, sondern alle vermietet –  zu horrenden Preisen. Der Stellplatz mit monatlich 375 Euro fällt da gar nicht mal so arg ins Gewicht

 

Finanzkrise, Kreditklemme, Ebbe im Portemonnaie? Wer in den Münchner Edelstraßen verkehrt, flaniert auf der Gewinnerseite. Einheimischer muss er nicht sein; es gibt ja weltweit genug fein Betuchte, die sich und ihr Vermögen in München gern zur Schau stellen. Da kann sie kein Preis schocken: Je teurer, desto lieber.

Wie im neuen Palais an der Oper – der alten königlichen Residenzpost. „Eine Welt von Schönheit, Eleganz, Luxus und Understatement“ verspricht säuselnd die Werbung. Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, dass in dem feudalen Klenzebau der Luxus verherrlicht wird. Für 300 Millionen Euro soll das Gebäude gerade an geldige russische Investoren versilbert worden sein (AZ berichtete). Und jetzt werden auch die Mietpreise für die Wohnungen im fünften und sechsten Stock bekannt: So teuer war München noch nie! „Münchens exklusivste Mietwohnungen“ verspricht der Prospekt: „Unübertroffen in Lage, Komfort und Repräsentativität.“ Und das stimmt. Eine Welt voll Eleganz, die gesehen werden will.

Beispiel 1: 4604 Euro kostet die 87 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Maisonettewohnung. Das sind unbescheidene 52,92 Euro pro Quadratmeter – kalt! Plus rund 10<TH>800 Euro Kaution und natürlich den Nebenkosten. Unten Wohnküche, Schlafzimmer und Bad. Darüber unter der Dachschräge eine offene Galerie mit Bad.

Die Miete für die Garage entspricht dem Hartz-IV–Monatssatz

Der „großzügig bemessene“ Tiefgaragenplatz dazu kostet 375 Euro. So viel wie eine Studentenbude. Oder anders gesagt: Fast so viel, wie ein Hartz-IV-Empfänger im Monat bekommt: 382 Euro.

Beispiel 2: „Stilvoll. Begehrenswert. Unvergleichlich.“ Hier geht es um eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 70 Quadratmetern für nur 3446 Euro – 49,23 Euro pro Quadratmeter kalt. Der Stellplatz kostet „nur“ 325 Euro.

Dabei sind das noch kleine Wohnungen. Die größte der angebotenen Wohnungen ist 240 Quadratmeter groß. Bei 50 Euro kalt wären das rund 12.000 Euro. Pro Monat.

Dafür wohnt man aber auch nicht irgendwo oder irgendwie – sondern an der weltberühmten Staatsoper und in feudalstem Ambiente, das „höchsten Ansprüchen“ genügt, wie die Werbung verspricht: „vom wertvollen Parkettboden über edle Natursteinbäder“, ein traumhafter Blick über die Altstadt – und alles nach Feng Shui. Ein Concierge, der diskret alle Wünsche möglich macht, „namhafte Juweliere und bekannte Designer“ in der Nachbarschaft. Das Restaurant mit Room-Service bietet „die Annehmlichkeiten eines luxuriösen Hotels“. Und wer mag, kann seine private Kunstsammlung auf einer eigenen Ausstellungsfläche präsentieren.

Unterm Strich gilt: Zeigen, was man hat. Die Werbung kennt keine Scham vor ungeahntem Reichtum: „Eine Oase der Ruhe, der Konzentration und des Luxus.“ Ein „Privileg, hier zu wohnen oder zu arbeiten“.

Auf 2900 Quadratmeter verteilen sich die 70 bis 240 Quadratmeter großen Wohnungen im 5. und 6. Stock. Darunter sind 11.200 Quadratmeter feudale Büroflächen, 3700 Quadratmeter für Einzelhandel und 1500 für Gastronomie. Die hat sich Großgastronom Roland Kuffler (Spatenhaus, Seehaus) für eine „fünfstellige“ Monatspacht gesichert.

Seine Nachbarn sind Luis Vuitton und das Modelabel „Daniels“ oder Rolex-Fürst Jörg Bucherer. Mehr Pracht für die Prachtmeile Maximilianstraße. Die Immobiliengeschäfte werden über die Accumulata abgewickelt.

Kann man diese Preise noch toppen? Vielleicht. In der Müllerstraße entsteht gerade der Millionärs-Wohnturm „The Seven“. Der wird zwar in Eigentumswohnungen aufgeteilt, aber vielleicht mag einer ja auch vermieten.
 

 

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