Bitteres Ende In Schwabing geht schon wieder ein Licht aus

Fühlen sich getäuscht (v. l.): Andrew Malura, Henning Hiersemenzel, Brigitta Rambeck, Wolfgang Roucka und Lutz Götze im „Traumstadt“-Salon. Foto: Gregor Feindt

Wohnungs-Spekulation: Der Kulturverein „Traumstadt” verliert seine Bleibe, weil der Wohnungsbesitzer kräftig an der Preisschraube dreht. Ende Januar wird das Projekt beerdigt.

 

SCHWABING - Es ist ein Trauerspiel in mehreren Akten. Die Traumstadt Schwabing war längst tot gesagt, da gelang vor gut einem Jahr eine wundersame Wiederbelebung: In der ehemaligen Wohnung des Malers Oswald Malura in der Kaulbachstraße päppelte eine Gruppe von Idealisten erfolgreich einen Künstler-Salon hoch. Doch jetzt ist das vielversprechende Projekt schon wieder am Ende. Im Januar ist Schluss. Der Grund: Immobilien-Spekulation.

Der Verein „Rettet die Traumstadt” konnte dank edler Spender die Miete bezahlen und hatte mit dem Wohnungsbesitzer eine Option ausgehandelt: Wenn sich ein Käufer finden ließe, könnte der Verein auf Dauer bleiben.

Das Wunder geschah, ein solventer Interessent stand parat. Doch urplötzlich stieg der geforderte Preis für die 120-Quadratmeter-Wohnung von 65000 auf 800000 Euro.

Logische Folge: Der Interessent sprang ab. Und die Vereins-Aktivisten sind erbost: „Wir fühlen uns arglistig getäuscht”, sagt etwa der zweite Vorsitzende Lutz Götze.

800000 Euro für eine Wohnung – ganz offensichtlich hat der jetzige Hausbesitzer ein ziemlich gutes Geschäft gemacht. Denn 1996 bezahlte er – so der Sohn des verstorbenen Malers, Andrew Malura – umgerechnet in etwa dieselbe Summe fürs ganze Haus „mit fünf bis sechs Wohnungen” plus lukrativ vermieteter Disco im Keller.

So weit, so schlecht. Und jetzt geht es um die Zukunft der Traumstadt. Die Macher sind nicht wirklich optimistisch. „Gibt es noch einen Käufer, obwohl so vieles noch im Unklaren ist?”, fragt Fotograf Wolfgang Roucka eher rhetorisch. Er hatte sich schon so gefreut, als er den Interessenten aufgetan hatte. Und ist durch die aktuelle Entwicklung schwer deprimiert.

Brigitta Rambeck und Lutz Götze blicken traurig auf die erfolgreichen Veranstaltungen etwa mit Heino Hallhuber, der Schwabinger Gisela oder Markus H. Rosenmüller zurück: „Wir mussten den Mietvertrag zum 31.1. kündigen. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, es dann vorbei.”

Sang- und klanglos wollen die „Wiedererwecker Schwabinger Lebensart” aber nicht einpacken. Am 24. Januar, zum 84. Geburtstag der Schwabinger Gisela, lassen sie es noch einmal krachen.
Doch mit einem überaus bitteren Nachgeschmack. Denn was – wegen des gefundenen Investors – als Start in eine blühende Zukunft gedacht war, gerät zur Totenmesse. Die Original-Laterne aus der Schwabinger Gisela wird ein letztes Mal eingeschaltet. Dann geht wieder ein Licht aus in Schwabing. 

 

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