Bis 31. Juli im Residenztheater Tina Lanik inszeniert „Eine Familie“ von Tracy Letts

Die Familie: Sophie von Kessel (Barbara Fordham), Lukas Turtur (Little Charles Aiken), Arthur Klemt (Bill Fordham), Charlotte Schwab (Violet Weston, v.l.). Foto: Dashuber

Charlotte Schwab über das Drama „Eine Familie“ von Tracy Letts, das Tina Lanik am Resi inszeniert.

 

Familie ist Liebe und Flucht gleichzeitig“ ist sie sich sicher, ohne Einzelheiten auszuplaudern. Im Privaten hat Charlotte Schwab selbst zwei Familien gegründet und zwei erwachsene Söhne. Wenn sie heute Abend im Residenztheater ihr Debüt auf einer Münchner Bühne gibt, spielt sie die 65-jährige Mutter und Großmutter Violet Weston in dem schlicht betitelten Stück „Eine Familie“.

Sie ist tablettensüchtig und krebskrank, ihr Gatte Beverly Alkoholiker. Der Rest der verzweigten Verwandtschaft lebt über die Vereinigten Staaten verstreut. Die Sippe findet erst nach Beverlys Selbstmord wieder zusammen, um sich eine Schlammschlacht zu liefern, die ihre Energie vor allem aus der Verbitterung der todkranken Mutter bezieht.

Schauplatz ist ein „geräumiges Landhaus 60 Meilen nordwestlich von Tulsa, Oklahoma“, wie Autor Tracy Letts sorgfältig vermerkt. „August: Osage Country“, 2008 ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis, wurde ein Broadway-Hit und später in der sehr textgetreuen Inszenierung von John Wells ein Hollywood-Drama. Stab wie Ensemble der Verfilmung sind erlesen: Zu den Produzenten gehört George Clooney, Sam Shepard hat kurze Auftritte als lebensüberdrüssiger Beverly, und Meryl Streep ist virtuos delirisch und auf beeindruckend uneitle Weise faltenreich. Ihre schönen Töchter werden von Julia Roberts, Juliette Lewis und Julianne Nicholson gespielt.

„Ich halte das Stück für allgemein gültig“, erklärt Charlotte Schwab. Sie glaubt, „dass das Stück wesentlich böser ist als der Film“. Und beim Erarbeiten der Rolle stellte sie sich die Frage, warum eine Mutter so böse ist. „Doch dann habe ich mir gedacht“, erzählt sie weiter, „sie ist gar nicht böse, sondern sagt einfach die Wahrheit, weil sie nichts mehr zu verlieren hat. Boshaftigkeit ist schon auch dabei, aber mehrheitlich ist es Härte, und die Wahrheit ist immer hart. Deshalb ist es ja gut, dass es einen gesellschaftlichen Konsens gibt, höflich miteinander umzugehen“.

Bis zum vergangenen Mai wurde „Eine Familie“ im Berliner Theater am Kurfürstendamm aufgeführt – üblicherweise ein Haus für Boulevard. Der Erfolg war trotzdem groß. Auf die Frage, wie lustig das Werk sei, antwortet die Hauptdarstellerin der Münchner Inszenierung von Tina Lanik: „Wenn eine Mutter ihre Tochter zusammenfaltet, hat das auch etwas Komisches. Gerade wegen der Härte. Und es gibt einen sehr guten Wortwitz, da kann schon mal lachen. Das Stück ist ganz toll geschrieben“.

Bundesweit berühmt wurde Charlotte Schwab im Fernsehen als Kriminalistin. In der ZDF-Reihe „Das Duo“ spielte sie die Hauptkommissarin Marion Ahrens, bis 2008 in der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ Anna Engelhardt, eine Chefin der Autobahnpolizei. Was die Actionserie seit 1997 zum Kult machte, waren natürlich nicht differenzierte Charaktere, sondern die Autostunts, deren Qualität über den deutschen Fernsehstandard weit hinaus ragen. „Wir, die das gemacht haben, wussten immer, was das für ein Format ist. Da gibt es Helden, da gibt es Dick und Doof, die fleißige Sekretärin und die strenge Chefin. Das sind die Schemata, und dazu die Stunts. Eines am Anfang, in der Mitte und am Ende. Es hat keinen großen literarischen Wert, aber es wurde durch alle Schichten hindurch gesehen.“

Residenztheater, 3. Juli Premiere, 19 Uhr, nächste Vorstellungen 7., 23., 31. Juli, 19.30 Uhr, Karten unter 21851940

 

0 Kommentare