Biographie über Bayern-Boss Rainer Maria Schießler: Pfarrer liest Hoeneß die Leviten

Rainer Maria Schießler, Pfarrer von St. Maximilian (l.) und Uli Hoeneß (r.). Foto: Gregor Feindt/firo/Augenklick

Rainer Maria Schießler, der wohl bekannteste Pfarrer Münchens, lässt sich in einer neuen Hoeneß-Biografie über den früheren Bayern-Boss aus. Sein Urteil: „Demut ist ein Fremdwort für ihn“.

 

München - Mit Biografien ist es ja so eine Sache. Nicht selten werden sie von Bewunderern oder Auftragsschreibern verfasst; mitunter trifft gar beides zu. Verrisse von (zumal noch lebenden) Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind eher selten.

Umso bemerkenswerter ist vielleicht die Biografie, die der Münchner Autor Thilo Komma-Pöllath gerade über Uli Hoeneß vorgelegt hat. „Die Akte Hoeneß“ heißt sie, und der Untertitel verrät gleich ihre Intonation: „Portrait eines Potentaten“.

Der frühere Bayern-Präsident kommt nicht gerade gut weg. Das mag einerseits gegen Hoeneß’ ureigenen und oft zitierten Grundsatz verstoßen („Ich trete nicht auf einen, der schon am Boden liegt“); andererseits ist kritische Distanz zu einem verurteilten Steuersünder natürlich opportun.

Komma-Pöllath lässt viele Hoeneß-Kenner im Buch zu Wort kommen. Da wird sogar Florian (35), Hoeneß’ Sohn und Chef der Wurstfabrik, zitiert – genau wie Münchens bekanntester Pfarrer. Rainer Maria Schießler (54), der in St. Maximilian und der Heiliggeistkirche predigt, liest Hoeneß in dem Buch gehörig die Leviten.

Was Schießler an Hoeneß missfällt, ist die Doppelmoral. Hier der erfolgreiche Manager (den Schießler, obwohl Sechzger-Fan, lang bewundert hat), dort der Steuerhinterzieher, der die Gemeinschaft schädigt. „Authentisch bin ich nur, wenn ich mein eigenes Ich lebe“, sagt Schießler im Buch: „Das Doppelleben macht dich zum Monster.“ So hat Hoeneß noch niemand genannt.

„Die eigenen Fehler anzuerkennen, das macht es schwer“, sagt Schießler. „Da spielen wir lieber eine Rolle, so wie Hoeneß.“ Und dann spricht der Gottesmann ein sehr hartes Urteil über Hoeneß: „Er hat völlig die Kontrolle verloren. Der muss gar nicht ins Gefängnis gehen, der steckt in seinem eigenen Gefängnis fest.“

Schießler weiter: „Er kann Wut und Zorn haben, aber gegen sich selbst. Er hat nicht gemerkt, dass er ein Normalsterblicher ist. Demut ist ein Fremdwort für ihn. Er ist nicht wichtiger als der Verein, er ist nicht der Verein. Er wird wutentbrannt aus dem Gefängnis kommen und brutal um sich schlagen.“ Uli, erbarme dich.

Wobei der Pfarrer auch Hoeneß’ Umfeld in der Pflicht sieht: „Warum reagiert die Familie nicht richtig?“, fragt Schießler – und gibt eine Empfehlung ab: „Warum sagt ihm die Familie nicht: ,Sei still, gib Ruh’!’“ Immerhin, jetzt hat’s Hoeneß schriftlich – von einem Pfarrer.

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