Billig-Airline unter Druck Ryanair: Farbige Passagierin rassistisch beleidigt

Im Ryanair-Flieger von Barcelona nach London kam es zu einem rassistischen Vorfall. Foto: dpa

Streiks, zahlreiche Flugausfälle, Gewinnrückgang - Ryanair kommt im Moment nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Nun bringt ein rassistischer Vorfall in einem Flugzeug die Billig-Airline in Erklärungsnot.

 

Dublin - Im Flieger von Barcelona nach London beschimpfte ein Passagier eine 77-jährige Frau lautstark und beleidigte sie unter anderem als "hässlichen, schwarzen Bastard". Doch anstatt den pöbelnden Mann auf dem Airport von Barcelona aus dem Flugzeug zu werfen, wurde stattdessen die gebrechliche Seniorin auf eigenen Wunsch umgesetzt.

Zu den rassistischen Beleidigungen kam es, weil die 77-Jährige dem Passagier - nach dessen Empfinden - nicht schnell genug Platz machen konnte. Als sie ihm in Englisch mit jamaikanischem Akzent antwortete, wurde der Passagier erneut ausfällig und schrie sie mit den Worten "Rede mit mir nicht in einer fremden Sprache, du dumme, hässliche Kuh" an.

Passagier-Video löst massive Kritik aus

Ein Mitreisender hatte den Vorfall am vergangenen Freitag kurz vor Abflug gefilmt. Das Video verbreitete sich schnell in den sozialen Medien und löste massive Kritik an der irischen Fluggesellschaft aus. In dem Clip ist zu sehen, wie die Seniorin zwar von ihrer Tochter und einem weiteren Passagier unterstützt wird, es zeigt aber auch das nur zaghafte Eingreifen eines Flugbegleiters, der erst auf Aufforderung einschritt. Mit den Worten "Seien Sie nicht so grob. Sie müssen sich beruhigen", wandte sich das Crew-Mitglied an den rassistischen Pöbler. Auf die Forderung, den Mann aus dem Flugzeug zu bringen, ging der Flugbegleiter nicht ein.

Entsprechend enttäuscht zeigte sich die Tochter der angegriffenen Frau. "Wenn ich oder jemand anderes mit schwarzer Haut sich so benommen hätte, wäre die Polizei gerufen und wir wären rausgeschmissen worden", sagte die 53-Jährige der "Huffington Post". Von der Crew kam nur die Empfehlung, sich beim Kundenservice über den Vorfall zu beschweren. Wie die Tochter weiter erzählte, war die 77-Jährige anlässlich des ersten Todestages ihres Mannes zur Ablenkung nach Spanien gereist. Trotz der rassistischen Worte war die Seniorin nicht auf den Mund gefallen und konterte die Beleidigungen: Zum pöbelnden Passagier sagte sie, dass er stinke und sich mal waschen müsse.

Ryanair mit starkem Gewinnrückgang

Ryanair reagierte am Sonntag via Twitter auf den Vorfall. "Wir kennen das Video und haben den Vorfall der Polizei in Essex gemeldet". Weiter will man die Situation nicht kommentieren, teilte die Airline auf Anfrage mit. Ein englischer Polizeisprecher bestätigte: "Wir arbeiten eng mit Ryanair und den spanischen Behörden bei den Ermittlungen zusammen."

Der Vorfall verschärft das aktuelle Imageproblem des Billigfliegers noch mehr. Ryanair werden zu geringe Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen vorgeworfen. Das Unternehmen muss den ersten Gewinnrückgang seit fünf Jahren verdauen. Wie Ryanair am Montag in Dublin mitteilte, sank der Gewinn im ersten Geschäftshalbjahr um 7 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Als Gründe nannte die Airline Streiks, hohe Kerosinpreise, geringere Ticketpreise und Ersatzzahlungen wegen der EU-Fluggastrechte.

 

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