Bilanz der Einsatzkärfte Bombensprengung: War Stroh-Dämmung gute Idee?

Feuer, Rauch, zerborstene Fenster - nach der Sprengung der Bombe hat die Feuerwehr viel zu tun: Umherfliegendes Stroh hatte Brände verursacht. Foto: Einsatzfotos der Feuerwehr München

Das Dämm-Material brannte lichterloh. Wie die Einsatzkräfte und Verantwortlichen die Bomben-Aktion im Nachhinein beurteilen

 

SCHWABING Um 21.54 Uhr explodierte die 250 Kilo schwere US-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Anschließend standen mehrere Gebäude in Flammen. Die wichtigsten Fragen am Tag danach.

Warum konnte die Bombe nicht entschärft werden? „Diese Bomben sind saugefährlich. Und sie haben eine Ausbausperre“, sagt Andreas Heil, Chef der Kampfmittelbeseitigungsfirma Tauber. Ein Feuerwehrmann: „Als der Sprengmeister den Zünder freigelegt hatte, ist er weggelaufen. Das habe ich auch noch nicht gesehen.“

Hätte die Fliegerbombe nicht außerhalb gezündet werden können? „Die Bombe rauszufahren, wäre Selbstmord gewesen“, sagt Andreas Heil. Branddirektor Jörg Fiebach: „Eine andere Möglichkeit, als vor Ort zu sprengen, gab es nicht.“

Wodurch gerieten die Gebäude in Brand? Nach der Detonation flogen glühend heiße Bombensplitter bis zu 300 Meter weit. Sie rissen brennendes Stroh mit sich, das die Druckwelle dämpfen sollte. Die Feuerwehr rückte zu drei Gebäudebränden aus sowie zu vielen kleineren Brandherden.

War die Entscheidung richtig, die Bombe ausgerechnet mit leicht entzündlichem Stroh zu dämmen? „Stroh ist ideal, um die Detonationswelle abzuschwächen und die Geschwindigkeit der Splitter zu bremsen“, sagt Sprengmeister Heil. Um die Detonationswelle nach oben zu lenken, wurden außerdem Schweißsand, Sandsäcke und Matten herangeschafft – insgesamt 100 Tonnen.

Warum wurde entgegen der ersten Entscheidung, nach 19 Uhr nicht mehr zu sprengen, die Bombe doch noch am Dienstagabend gezündet? „Das Risiko, noch länger zu warten, war einfach zu hoch“, sagt Andreas Heil. Schon ein leichter Schlag von 100 Gramm hätte ausgereicht – die Bombe wäre von allein unkontrolliert explodiert. Auch von oben drohte Gefahr: Wäre das Stroh, das die Bombe bedeckte, durch Regen nass – und damit schwer geworden – wäre die Druckwelle nach unten statt nach oben entwichen. Sie hätte einen tiefen Krater gerissen und dabei wohl die Fundamente der umliegenden Häuser beschädigt. Und: „Wenn das Stroh nass ist, wird aus einem Flugfeuer ein schweres Geschütz, das Mauern durchschlagen kann“, so Branddirektor Fiebach.

Nach der Explosion gingen im Umkreis mehrere Feuermelder los, auch in der U-Bahn. Brannte es auch dort? Nein, die Brandmelder wurden durch die Erschütterung ausgelöst. Trotzdem musste die Feuerwehr jedem einzelnen Alarm nachgehen.

Wie viele Einsatzkräfte waren vor Ort? Mindestens 230 Einsatzkräfte von der Feuerwehr, Polizei, THW sowie Sanitäts- und Rettungsdienst waren am Montag und Dienstag ständig in Schwabing im Einsatz.

Welche Bereiche sind noch gesperrt und wie lange? Noch gesperrt sind ganze Häuserzeilen in der Kernzone um den Fundort der Bombe. Das ist das Karree Feilitzsch-, Markt-, Haimhauser-, Leopoldstraße. Wann die Sperrung aufgehoben wird, war gestern noch unklar. Jedes einzelne Haus muss überprüft werden.

Wie beurteilen die Verantwortlichen den Ablauf der kontrollierten Sprengung und ihre Folgen? „Insgesamt haben wir eine glimpfliche Bilanz“, sagt Fiebach. „Wir haben Sachschäden in Kauf genommen, um Schaden von Menschen abzuwenden.“ Shahram Valamehr von der Lokalbaukommission, die für die Statik der Gebäude zuständig ist: „Wir haben mit größeren Schäden gerechnet.“ 

 

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