Biennale: "Macondo" Seminararbeit ohne Thrill

Eine Szene aus dem Film "Macondo" mit Ramasan Minkailov, bei dem Sudabeh Mortezai Regie geführt hat. Foto: FreibeuterFilm/Berlinale

"Macondo" von Sudabeh Motezais ist ein gediegenes Betroffenheitsdrama um einen Flüchtlingsbuben 

Inhalt: Eine sozial geförderte Wohnsiedlung in Wien. In diesem tristen Block leben Afrikaner und Tschetschenen dicht aufeinander, aber alle immerhin mit der (vorläufigen) Sicherheit eines Bleiberechts. Dass hier dennoch unverarbeitete Kriegstrauma an der Tagesordnung sind, zeigt das Beispiel Ramasan (Ramasan Minkailov). Der Junge wächst mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern an der Grenze zur Armut auf – der Vater starb vor vielen Jahren als tschetschenischer „Kriegsheld“. Als plötzlich ein Freund seines Vaters auftaucht und zarte Bande mit Ramasans Mutter knüpft, brennen bei dem bisher verantwortungsbewussten Jungen die Sicherungen durch.

Kritik: Sudabeh Mortezais österreichisches Sozialdrama gleicht wie so viele Berlinale-Wettbewerbsbeiträge einer besseren Seminararbeit. Anschaulich und sauber recherchiert bekommt man ein Milieu - aus Kinderperspektive - vorgeführt, ohne dass der Film dabei seinen akademischen Zugriff zu Gunsten einer spannenden, berührenden Geschichte aufgibt. So bleibt es beim gediegenen Arte-Themenabend-Betroffenheitsdrama, für einen größeren Kinostart bietet die Regisseurin aber zu wenig originelle filmische Momente an.

 

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