Beziehungsgeflecht der Ingolstädter Justiz Haderthauer-Anwalt verklagt Gerichtspräsidentin

Bilder aus glücklicheren Tagen: Christine und Hubert Haderthauer 2012 in Bayreuth. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft Ingolstadt ermittelt gegen die Präsidentin des Landgerichts. Der Grund: Hubert Haderthauer, Ehemann von Ex-Staatskanzleichefin Christine Haderthauer und seines Zeichens Langerichtsarzt in Ingolstadt, hat Anziege wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung erstattet.

 

Ingolstadt -  Noch vor wenigen Monaten waren Sybille Dvorazik, Präsidentin des Landgerichts Ingolstadt, und Landgerichtsarzt Hubert Haderthauer Duz-Freunde. Inzwischen ist das Verhältnis deutlich abgekühlt. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstag bestätigte, ermittelt seine Behörde gegen die Präsidentin wegen Verdachts der Ukrundenfälschung. Die Anzeige kommt von Hubert Haderthauers Münchner Anwalt.

Die Eskalation im Ingolstädter Justizpalast resultiert aus einer Klage, die der Freistaat Bayern gegen Hubert Haderthauer. Das Land will von ihm knapp 50000 Euro zurück, die er für so genannte Drogenscreenings privat als Zusatzleistung abgerechnet hat. Er selbst vertritt die Auffassung, dass dies Extraleistungen waren, die auch extra berechnet werden müssten.

Akten, die in diesem Streit eine Rolle spielen, sind nun der Stein des Anstoßes. Haderthauers Münchner Anwalt Gerd Tersteegen behauptet schon seit längerer Zeit, dass die Akten von der Landgerichtspräsidenten manipuliert worden seien. Sybille Dvorazik vertritt in dem „Drogenscreening“-Verfahren den Freistaat gegenüber Hubert Haderthauer.

Der Sprecher der Ingolstädter Staatsanwaltschaft sieht trotz der pikanten Ausgangslage, im eigenen Justizpalast ermitteln zu müssen, die Lage ganz entspannt. Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle: „Wir ermitteln so wie in jedem anderen Fall.“ Eine Abschätzung der rechtlichen Lage wäre seinen Worten zufolge noch zu früh. „Wir haben die angeforderten Akten, um die es geht, erst vor zwei Tagen erhalten und müssen sie erst auswerten.“

Das enge Beziehungsgeflecht innerhalb der Ingolstädter Justizbehörden sorgte in diesem Jahr schon einmal für Turbulenzen. Alle 17 in Frage kommenden Richter, darunter auch Landgerichtspräsidentin Dvorazik, hatten sich wegen ihrer freundschaftlichen Nähe zum Landgerichtsarzt für befangen erklärt.

Die Klage, die alle nicht bearbeiten wollten, hatte in dem Fall Dreifachmörder Roland S. gegen seinen langjährigen Geschäftspartner Hubert Haderthauer eingereicht. Sie wird jetzt in München bearbeitet.

 

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