Beziehung in Balance? Streit und Paartherapie: Kommunikation in der Partnerschaft

Eine gelungene Kommunikation ist der Grundstein einer erfüllten Partnerschaft – aber eben auch gar nicht immer so einfach. Die Einhaltung einiger Regeln erleichtert vieles. Foto: Gary Waters/imago

Die richtige Kommunikation in der Beziehung ist der Schlüssel zu Harmonie. Wie das funktioniert – und auf welche Wörter Sie besser verzichten.

 

München - Beziehungen können durch verschiedene Auslöser ins Wanken geraten. Man fühlt sich nicht richtig verstanden, findet im stressigen Arbeits- und Familienalltag kaum noch Zeit für einander oder hat sich auseinandergelebt.

Oft ist von der anfänglichen Romanik nur noch wenig zu spüren, und nach einiger Zeit schleicht sich ungewollt Routine ein. Nörgeleien und Missverständnisse trüben den Alltag, die nötige Wertschätzung geht verloren.

In der Praxis einer Paartherapeutin beschreiben viele Klienten ihren Beziehungsalltag als eingefahren, stressig und geprägt von Streit und Beschimpfungen. Im schlimmsten Fall wird zwischen den Partnern gar nicht mehr gesprochen.

Egal in welcher Situation – eines haben schwierige Beziehungen gemeinsam: eine falsche oder fehlende Kommunikation. Das Gefühl von Akzeptanz und Anziehung fehlt und Frustration macht sich breit. Um genau diese negativen Gefühle dauerhaft aus der Beziehung zu verbannen, ist ein offener und vor allem fairer Austausch das A und O.

Klare Kommunikation: Der Ton macht die Musik

Eine gelungene Kommunikation ist der Grundstein einer erfüllten Partnerschaft. Nur wer seine Bedürfnisse und Gedanken regelmäßig und klar äußert, lässt dem Partner genügend Spielraum für Verständnis und Unterstützung.

In der Praxis höre ich häufig: "Ich habe es doch gesagt". In den meisten Fällen sind die Äußerungen allerdings ziemlich unkonkret und lassen viel Platz für Interpretationen. Das WIE macht hier den Unterschied.

"Das Badezimmer ist schmutzig", sagt nicht das Gleiche aus wie: "Könntest du mir bitte helfen, das Badezimmer zu putzen? Ich fühle mich momentanen nicht wohl – und ein sauberes Zuhause für uns ist mir wichtig."

Äußern Sie Ihre Wünsche und Gefühle klar, wohlwollend und am Besten zeitnah, um Missverständnissen vorzubeugen.

Frust mitteilen: Den ersten Schritt tun

Der Partner müsse doch merken, was nicht in Ordnung ist – schmollend auf eine Veränderung zu warten, ist meist kein guter Ansatz und bringt nur Frust. Die Annahme "Wir kennen uns doch in- und auswendig" oder "ich bin für meinen Mann ein offenes Buch" ist falsch. Wie sollte uns jemand stets zu einhundert Prozent richtig einschätzen, wenn wir selbst ab und an im Dunkeln stehen und nicht weiter wissen?

Wie von einem Scheinwerfer sind nur einige Bestandteile unseres Selbst beleuchtet. Von Zeit zu Zeit bringen uns schwierige Lebensumstände und unvorhergesehene Herausforderungen an unsere Grenzen, und eine neue Seite unserer Persönlichkeit ans Licht.

Bleiben Sie daher immer im Kontakt mit Ihrem Partner. Sehen Sie Herausforderungen als Chance, gemeinsam zu wachsen, sich als Paar neu zu entdecken – und passen Sie gegebenenfalls Ihr Ziel an.

Schluss mit Vorwürfen – Zielfindung nötig

Verbannen Sie die Wörter "immer" und "nie" aus Ihrem Wortschatz, denn hierbei belügen Sie sich selbst und schaffen lediglich eine schlechte Atmosphäre. "Immer" beziehungsweise "nie" würde bedeuten: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag, 60 Minuten in jeder Stunde.

Trifft das auf Ihre Aussage beziehungsweise Ihren Vorwurf wirklich zu?

Leider fokussieren wir zu oft das Negative, anstatt uns die positiven Seiten ins Gedächtnis zu rufen.

Nehmen wir an, Sie sind unzufrieden, weil nach einer Weile das Feuer in der Beziehung fehlt. Fragen Sie sich: Was müssen Sie tun, um wieder mehr Leidenschaft in die Beziehung zu bringen? Was hat für Sie früher gut funktioniert? Erinnern Sie sich und bauen Sie wieder einen Teil davon in Ihr jetziges Leben ein.

Zusätzlich ist es hilfreich, auch das Positive im vermeintlichem Problem zu erkennen. Was bedeutet Stillstand/Langeweile für Sie? Sind dennoch erfreuliche Aspekte erkennbar? Stillstand könnte auch für Geborgenheit und Sicherheit stehen.

Kommunikationstraining: Aktives Zuhören

Wie war das nochmal mit dem "Sender und Empfänger"? Einige von uns können sich bestimmt an das Kommunikationstraining in der Schule zurückerinnern. Und tatsächlich: Aktives Zuhören ist genauso wichtig, wie offenes Ansprechen eines Themas. Leider wird dies häufig vergessen. Mit aktivem Zuhören signalisieren Sie Interesse an Ihrem Partner und seinen Anliegen. Lassen Sie den Anderen in Ruhe aussprechen und haken Sie erst dann ein.

Was wünschen Sie sich von Ihrem Partner in Sachen Kommunikation? Fangen Sie an, das auszusenden, was Sie gerne empfangen würden.

Im Austausch bleiben – regelmäßig

Der Spagat zwischen Job, Kindererziehung und Partnerschaft kann wirklich anstrengend sein. Alles unter einen Hut zu bekommen und jedem gerecht zu werden, scheint schier unmöglich.

Versuchen Sie trotzdem, regelmäßig Zeit füreinander zu finden. Bleibt zu wenig Zeit zu zweit, verliert die Kommunikation an Tiefe – und Bedürfnisse werden nur oberflächlich angeschnitten. Nur wer in Kontakt bleibt und regelmäßig ein Update über seine Wünsche, Vorstellungen, Pläne und Vorlieben gibt, sichert einen gemeinsamen Weg in die Zukunft und beugt dem Risiko vor, sich auseinander zu leben. Grundlegende Entscheidungen teilen

Steht ein Umbruch oder eine wichtige Entscheidung bevor? Etwa ein Umzug oder ein Jobwechsel? Erörtern Sie die verschiedenen Optionen, Vor- und Nachteile und treffen Sie die Entscheidung gemeinsam.

Dadurch hat jeder der Beteiligten die Möglichkeit, seine Gedanken oder Bedenken vorzubringen, und niemand fühlt sich übergangen. Dies beugt künftigen Diskussionen sowie Anschuldigungen vor.

Auch bei Emotionen: sachlich bleiben

Sie finden sich in einem Thema mit hohem Streitpotenzial wieder? Emotionen beginnen zu brodeln – und das Fass droht, überzulaufen? Distanzieren Sie sich rechtzeitig von der Situation. Eine kurze Pause und/oder ein Spaziergang um den Block lassen den Kopf wieder klar werden und die richtigen Worte für ein weiterführendes und sachliches Gespräch finden. So ersetzen Sie einen handfesten Streit durch eine milde und zielführende Diskussion.

Der Spiegel im Gegenüber

Das Sprichwort "Das ICH wird erst im WIR ersichtlich" ist durchaus zutreffend. Warum entfacht das eine oder andere Thema immer wieder heftige Gefühle wie Kränkung, Wut und Unverständnis, während es andere Personen scheinbar kalt lässt? Jeder von uns bringt individuelle Erfahrungen und Wertvorstellungen mit sich. Erkennen Sie ein Muster und reagieren in manchen Situationen immer gleich? Vielleicht ist es sinnvoll, sich selbst zu beleuchten. Gibt es eine vergangene Situation, in der Sie ähnlich empfunden haben? Eventuell liegt hier der Hund begraben.

Thematisieren Sie diese Beobachtung: "Es tut mir leid, dass ich in solchen Situationen immer wieder gekränkt oder wütend reagiere. Irgendetwas löst dies in mir aus. Ich werde versuchen der Sache auf den Grund zu gehen."

So kann Ihr Partner beim nächsten Mal mehr Verständnis aufbringen – und Sie stärken Ihre Bindung.

Wann ist eine Paartherapie nötig?

Sachliche Kommunikation anstatt ausartender Emotionen sowie ein wenig Selbstreflexion können viel bewirken. Sie haben trotzdem das Gefühl, dass sich nichts ändert und Sie fühlen sich machtlos?

Konflikte in der Partnerschaft entstehen nicht nur durch falsche Kommunikation. Speziell in Lebensumbrüchen – wie Familiengründung, dem Auszug der Kinder oder Ruhestand – verlagert sich der Lebensfokus und kann für Konflikte oder Hilflosigkeit sorgen.

In der Paartherapie helfen dann ein neutraler Raum und klare Spielregeln zu verstehen, was hinter Ihrem Thema steckt, und wie Sie aus dieser Problematik herausfinden.

Sie sehen, es gibt Zeiten in denen man sich seinem Partner näher oder ferner fühlt und auch die Kommunikation mal besser, mal schlechter funktioniert. Bleiben Sie am Ball und verlieren Sie sich nicht aus den Augen. Eine gute Kommunikation kann der erste Schritt sein, um eine Krise zu meistern.

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