Bewusste Wahl Frauen als Alleinverdiener

Die Frau sorgt allein fürs Einkommen: Kein Problem, wenn sich beide Partner bewusst für dieses Modell entscheiden, sagt die Diplom-Psychologin Svenja Lüthge. Foto: dpa

Wenn Paare sich bewusst für dieses Modell entscheiden, kann es in der Praxis auch funktionieren.

Weit verbreitet ist sie sicher nicht: die Frau als Alleinverdienerin. Bei Paaren mit Kindern waren 2012 gerade einmal 3 Prozent der Frauen allein für das Haushaltseinkommen zuständig. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Trotzdem gibt es Paare, die dieses Modell leben – freiwillig oder unfreiwillig. „Manche entscheiden sich bewusst dafür, dann funktioniert es in der Regel gut“, erläutert Svenja Lüthge, Diplom-Psychologin aus Kiel.

Im Vordergrund stehen bei diesen Paaren praktische Abwägungen: Verdient die Frau genug? Kommt es ihm vielleicht sogar entgegen, mehr Zeit für Hobbys und Kinder zu haben? „Es gibt Paare, bei denen der Mann regelrecht darin aufgeht.“ Die Chancen stehen gut, wenn er sich mit den Verpflichtungen rund um Haus, Einkaufen und Kinder betreuen ausgefüllt fühlt. Manchmal gerät das Paar aber durch Zwang in das Alleinverdienermodell: Der Partner wird krank oder verliert seinen Job. Dann kann es schnell zu Konflikten kommen. Der andere fühlt sich minderwertig, hat das Gefühl, nichts mehr zur Beziehung beizusteuern. „Denn es ist ja schon so, dass man sich über seine Arbeit und Leistung definiert, die dann entlohnt werden.“

Wichtig sei, die Unzufriedenheit des Hausmanns nicht über Monate hinweg im Hintergrund schwelen zu lassen. „Besprechen Sie gemeinsam: Ist das eine vorrübergehende Situation? Leidet unsere Beziehung darunter? Möchten beide eine Aufgabe haben?“ Sobald einer oder beide unzufrieden wird, sei es an der Zeit, etwas zu tun. Da viele in ihrer eigenen Beziehung betriebsblind sind, empfiehlt Lüthge einen Besuch beim Paartherapeuten oder Coach. „Das muss keine lange Therapie sein, ein paar Stunden reichen.“ Mit professioneller Hilfe könne man verstehen, wo die Probleme liegen und wo sich der andere nicht verstanden fühlt. Außerdem falle es leichter, sich den nächsten Schritt zu überlegen: Wo kann ich mich bewerben, wie kann sich die Situation ändern?

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