"Bett im Kornfeld" gab es wirklich Der "König von Mallorca" Jürgen Drews wird 70

Auch mit 70 steht Jürgen Drews noch immer als "König von Mallorca" in der Feriensaison Montagnacht für Montagnacht auf der Bühne am Ballermann. Mehr Bilder des Geburtstagskindes zum Durchklicken. Foto: dpa/az

Man sieht es ihm nicht an, aber der Schlager-König von Mallorca feiert tatsächlich seinen 70. Geburtstag. Wie er heute gesteht, mochte er seine seichte Musikart früher selbst nicht... Bereuen tut er allerdings nichts.

 

Dülmen - Jürgen Drews ist kaum zu stoppen. Im Gespräch am Telefon redet er schnell, singt immer wieder einige Zeilen an und antwortet auch auf Fragen, die gar nicht gestellt wurden. Wie etwa auf die, ob es das berühmte Bett im Kornfeld tatsächlich gab für ihn. "Das ist alles so passiert: Ich bin nach St. Tropez getrampt und traf ein sehr hübsches Mädchen. Sie fuhr nur kein Fahrrad, sondern Cabrio", erfährt man.

Überhaupt: Das "Bett im Kornfeld". Auch wenn Drews seiner Karriere immer mal wieder eine andere Wendung geben wollte, raus aus der Schublade des Unterhaltungsschlagers. Von seiner Veröffentlichung 1976 bis heute ist der Titel der Evergreen, den man auf den Lippen hat, wenn man an Jürgen Drews denkt.

In den 1990er Jahren wird ihm die neueingespielte Version den Weg auf den Olymp des Stimmungsschlagers ebnen. Bis heute grölen alle mit, wenn Drews am Ballermann oder bei großen Schlagerpartys im Stadion, vom "Sommerabend über blühendem Land" beginnt. Meist sind sie viel jünger. Kein Kunststück: Jürgen Drews wird am 2. April 70 Jahre alt.

Wenn er zurückblickt, so gibt es zwei Erkenntnisse, die ihm wichtig sind. Von der einen singt er auf seiner neuen Platte, die an diesem Freitag (27. März) erscheint: "Es war alles am Besten". Nichts will er missen, nichts bereuen. Auch die schweren Zeiten nicht, etwa als seine erste Ehe zu Bruch ging oder als er sich nach dem Durchbruch beim deutschen Publikum auf Schlager festgelegt sah und sein Glück in Amerika suchte, wie er erzählt.

Heute geht er entspannter mit dem Label Schlager um. "Die Geschichte mit dem Schlager hat ja alles Gute gebracht, was ich mir nur denken kann", sagt er. Seine Musik ist eben nicht gemacht für das stille Kämmerlein. Sie ist für das Partyvolk, das singen will, tanzen will, Hände in die Höhe und hoch die Tassen - ganz egal, ob man es nun Pop, Dance oder eben schlicht Stimmungsmusik nennt. Als "König von Mallorca" steht er in der Feriensaison noch immer Montagnacht für Montagnacht auf der Bühne des Feierclubs Mega Park am Ballermann.

Dass alles sei nie geplant gewesen, so die zweite Bilanz, die er im Interview kurz vor seinem Geburtstag zieht: "Alles was ich vorhatte, habe ich nicht gemacht. Und alles, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich es mal mache, mache ich heute." Der Weg zum "König von Mallorca" als nicht selbst gewähltes, aber willkommenes Schicksal.

Musikwissenschaftler Martin Lücke sieht Drews als prägende Figur des Ballermann-Schlagers. "Schlager wird von vielen sofort mit Ballermann assoziiert. Diese negative Konnotation des Begriffs hat auch Jürgen Drews mitgeprägt." Viele seiner Melodien seien eingängig, die Texte leicht zu merken. "Wie gemacht um Menschen zum Mitsingen zu bringen", sagt Lücke. Außerdem habe Drews sich selbst auch als Kunstfigur erschaffen, die bewusst polarisiere: "Die Rolle des Spaßvogels, der auch mal aneckt, die spielt er perfekt."

Drews wurde 1945 nahe Berlin geboren und wuchs in Schleswig-Holstein auf. Als Teenager steht er das erste Mal auf der Bühne. "Ich hätte ums Verrecken nicht gesungen. Ganz hinten stand ich und habe mit zittrigen Händen mein Banjosolo gespielt." Aber er war ehrgeizig und gut, lernte die Gesangscombo Les Humphries Singers ("Mama Loo", "Mexico") kennen, mit denen er in den 1970ern Erfolge feierte.

Das sei auch die Zeit gewesen, in der er sein Faible für den Schlager entdeckte - jenes Genre, dass er zuvor immer mit Verachtung gestraft hatte. "Schlager war für mich lange das Schlimmste, was es überhaupt gab", gibt er zu. Er legte als Solokünstler los und hatte 1976 mit "Ein Bett im Kornfeld" seinen Durchbruch. Er übernimmt auch kleinere Filmrollen, moderiert die "Deutsche Schlagerparade" - musikalisch ist es in den 1980ern eher ruhig um ihn.

Aber "Onkel Jürgen" kommt zurück: In den 1990er Jahren startet er mit des Partyversion seines Sommerhits noch einmal durch, festigt sein Image als schriller Spaßvogel mit schillernden Anzügen und schrägen TV-Auftritten. Als Kunstfigur will er sich jedoch nicht begriffen wissen: "Ich bin wie ich bin, ob nun einer hinschaut oder nicht. Und ich mag es einfach auch mal anzuecken", sagt er.

Nur die hemmungslose Party, die gehört für ihn eher auf die Bühne, nicht in sein Privatleben. Ginge es nicht darum, die nagelneue Platte zu promoten ("Da ist nicht nur Schlager drauf, sondern auch super Pop-Nummern", betont er im Interview), würde er seinen Geburtstag lieber beschaulich mit seiner Ramona verbringen. "Das holen wir nach", verspricht er.

 

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