Betrugsprozess am Landgericht Dubiose Finanz-Jonglage im Kinderhilfsverein

Bewegung in einer Prozesspause (v. l.): Werner E. mit Anwalt Alexander Sperr, Ralf A. mit Anwältin Dora Malek, Klaus D., Michael Sch. mit Anwälten Peter Federau und Ingo Waibel. Foto: anf

Betrug oder nur blöd? Drei Vereinsvorstände machen (unbewusst) illegale Geschäfte.

München - Ein paar ältere Herren schließen sich zusammen, um mithilfe eines Schenkkreises Gewinn zu machen. Einen Teil davon stecken sie in einen Kinderhilfsverein. Dann werden die Geschäfte schnell unübersichtlich. Vor Gericht stellt sich die Frage: War das Absicht oder Überforderung?

Der Vorwurfskatalog ist lang, mehr als eine Stunde verliest die Staatsanwältin den Anklagesatz. Es fallen viele Firmennamen, es werden Verflechtungen und Verflochtene aufgezählt. Die Schadenssumme ist mit zwei Millionen Euro vergleichsweise gering, bedenkt man, dass es um 116 faule Verträge geht, die die Angeklagten mit einem dubiosen Finanzmann abgeschlossen haben.

Die Männer auf der Anklagebank wirken dagegen recht bieder: Klaus D. (60), Ralf A. (49) und Werner E. (54) lernten sich über einen Schenkkreis kennen. Durch das Schneeballsystem machten sie Gewinn und steckten einen Teil in einen Verein, der Kinder- und Jugendprojekte finanzierte. Dann waren Schenkkreise ab 2005 wegen Sittenwidrigkeit illegal.

Geprellte Schenkkreis-Mitglieder wollten Geld zurück, das in den Verein gesteckt worden war, die Männer suchten nach einem Ausweg.

Sie fanden ihn beim Finanzmann S. – der wollte das Geld des Vereins gewinnbringend anlegen, das sollte weitere Projekte und die Rückzahlung der Verbindlichkeiten ermöglichen. Statt direkt das Vereinsgeld zu investieren, gründeten die drei Vereinsvorstände eine kleine Firma, die das Geld der Vereinsmitglieder einsammelte und an den Finanzmann weiterleitete. Der versprach eine Provision von sieben Prozent, davon gingen ein Prozent Vermittlerprovision an die Vereinsvorstände.

Die Provision hätten sie ausschließlich in die Rückzahlung der Verbindlichkeiten gesteckt, sagt Klaus D. vor Gericht aus. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen davon aus, dass die Männer sich bewusst waren, dass an dem Handel etwas faul war – und dass sie sich selbst bereichert haben.

„Wir haben denen vertraut“, sagt hingegen der Angeklagte D. – denen, also dem Finanzmann und seinen Mitarbeitern. Verstanden habe er irgendwann eh nichts mehr, sagt D. Vor allem, als mithilfe des Vermögensberaters Michael Sch. (59) die Verträge zwischen Vereinsmitgliedern noch mal geändert wurden. Deshalb sitzt Sch. nun ebenfalls auf der Anklagebank. Ein dichtes Geflecht, dieses zu entwirren, dauern wird: Es sind elf Verhandlungstage angesetzt.

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