Betroffene schämen sich Trickbetrug: So leiden die Opfer

Meistens rufen die Täter ihre Opfer am Telefon an. (Symbolbild) Foto: dpa

Ein falscher Polizist schwatzt einer 80-Jährigen aus München bei einem Telefonanruf 5000 Euro ab. Er setzt die Rentnerin massiv unter Druck, behauptet, sie habe Falschgeld in Umlauf gebracht.

 

München - Der Gedanke an das verlorene Geld schmerzt Johanna B. (Name geändert), doch noch viel mehr ärgert die 80-Jährige, das sie sich von einem windigen Gauner so aufs Kreuz hat legen lassen.

"Ich schäme mich so", sagt Johanna B. Dabei presst sie die Hände fest zusammen, bis die Fingerknöchel weiß anlaufen. "Ich habe lange keinen Verdacht geschöpft, bis es zu spät war." Dabei schüttelt die Münchnerin immer wieder den Kopf. Irgendwie kann sie es bis heute nicht fassen, dass sie so gutgläubig war.

Am Montag letzter Woche klingelt ihr Telefon. Ein Mann meldet sich, behauptet er sei Polizist. Johanna B. sei im Präsidium vorgeladen worden, aber nicht erschienen. Dann beginnt der Mann der Rentnerin richtig Angst zu machen. Sie habe mit einem falschen 50-Euro-Schein bezahlt. Sie habe Falschgeld in Umlauf gebracht – eine schwere Straftat, für die man ins Gefängnis kommen kann.

Johanna B. hatte nie zuvor mit der Polizei zu tun. Sie glaubt dem Mann. Er macht ihr ein Angebot. Das Falschgeld stamme von einem Mitarbeiter ihrer Hausbank. Sie solle helfen, den Mann zu fassen. Johanna B. solle 5.000 Euro von ihrem Konto abheben. Kollegen würden die Scheine überprüfen, dann sei der Täter überführt. Die Rentnerin müsse schnell handeln. Ständig redet der Mann am Telefon auf sie ein. Johanna B. kann keinen klaren Gedanken fassen. "Ich durfte nicht den Telefonhörer auflegen, der Mann wollte alles hören, was ich mache", sagt sie.

Opfer schämen sich

Wie ihr der vermeintliche Polizist aufgetragen hat, geht Johanna B. zur Bank in der Augustenstraße. Sie solle sich nichts anmerken lassen, auf keinen Fall mit dem Kassierer über das Telefonat mit der "Polizei" sprechen. Johana B. erhält 5.000 Euro. Die legt sie in der Gabelsbergerstraße in der Nähe des Lenbachhauses auf ein mit einer grauen Plane abgedecktes Motorrad – alles wie abgesprochen. Ein Polizist werde die Scheine prüfen und sie ihr später wieder zurückgeben.

Johanna B. ist nervös. "Ihnen kann nichts passieren", verspricht der falsche Polizist, "die Kollegen beobachten Sie, Sie sind in Sicherheit." Als die Münchnerin zurück in ihrer Wohnung ist, hat der falsche Polizist aufgelegt. Die Telefonnummer, die er ihr gegeben hat, ist falsch. "Da hab ich zum ersten Mal das Gefühl gehabt, dass etwas nicht stimmt", gesteht sie. Johanna B. weiht ihre Schwiegertochter und ihre Enkelin ein. "Meine Großmutter schämt sich so sehr", sagt sie. Und immer stellt sich Johanna B. die eine, entscheidende Frage: Wie konnte ich nur so dumm sein?

Johana B. traut sich kaum, mit jemanden über den Betrug zu reden. Selbst in ihrer Familie weiß kaum jemand Bescheid. Zu groß ist die Scham. Deshalb will sie nicht, dass ihr echter Name in der Zeitung steht. Und Johanna B. ist kein Einzelfall. Über 500 Mal meldeten sich 2016 falsche Polizisten bei Münchner Senioren (+ 250 Prozent zum Vorjahr). Gesamtschaden: fast 900.000 Euro.

 

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