Betreutes Wohnen 90-Jährige liegt zehn Tage tot in der Wanne

In der Regel kümmern sich Pfleger in betreuten Wohnanlagen um die alten Menschen. Foto: AP

Wie konnte das geschehen? Die Frau lebte in einer Anlage für betreutes Wohnen.

 

NÜRNBERG - Es geschah in einer Anlage für betreutes Wohnen. Zehn Tage lang war dort der Tod einer 90-jährigen Frau nicht bemerkt worden. Sie lag tot in der Badewanne und wurde eher durch Zufall entdeckt. Ein Skandal? Klara E., die keine Angehörigen mehr hat, hatte sich frühzeitig für ein Leben in der Wohnanlage am Langwassersee entschieden.

Seit 1993 war ein kleines Appartment im zweiten Stockwerk ihre neue Heimat. Träger des Projekts ist die Christliche Arbeitergemeinschaft (CAG), ein gemeinnütziger Verein, für den praktizierte Nächstenliebe zum Leitbild gehört. Am 10. Juni, kurz nach 8Uhr morgens, wunderte sich die Mitarbeiterin eines privaten Pflegedienstes über den strengen Geruch, der durch die Etage wehte.

Er kam aus der Wohnung von Klara E. Helfen konnte ihr niemand mehr, das sah man auf den ersten Blick. Verschiedene Indizien belegen, dass die als rüstig und orientiert geltende Frau zu diesem Zeitpunkt bereits zehn Tage tot gewesen sein muss. Ein Fall für die Ermittlungsbehörden wurde nicht daraus.

Ein hinzugezogener Arzt kam trotz des bereits relativ lange zurückliegenden Todes zu dem Ergebnis, dass Klara E. eines natürlichen Todes gestorben sei. Deshalb wurde auch die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet, die eine Obduktion anordnen hätte können.

„Uns ist dieser Fall nicht bekannt“, erklärte Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke gegenüber der AZ. Bei den Bewohnern der Wohnanlage und deren Angehörigen wirft die Nachricht vom unentdeckten Tod der Frau eine ganz andere Frage auf: Wie kann so etwas in einer Anlage für betreutes Wohnen möglich sein?

Florian Schoenauer, Geschäftsführer der Christlichen Arbeitergemeinschaft, die mehrere Alten- und Pflegeheime im Nürnberger Süden betreibt, zeigt sich zerknirscht. Zur AZ sagte er: „Das ist wirklich ein bedauerlicher Vorfall, der mir sehr leid tut und nicht passieren hätte dürfen." Zugleich verwies Schoenauer darauf, dass Klara E. sehr selbständig und rüstig gewesen sei und Hilfe nie in Anspruch genommen habe. Sie habe auch eine Notruf-Möglichkeit abgelehnt. 

 

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