Besondere Freundschaft Lebe schnell und stirb jung

Dane DeHaan (29) stammt wie James Dean aus einer amerikanischen Kleinstadt. Foto: Verleih

Der Fotograf, der James Dean zum Star machte: Der Film „Life“ mit Robert Pattinson von Anton Corbijn. Im Interview mit der Abendzeitung erzählt Corbijn auch, warum er nie Twilight gesehen hat und Robert Pattinson doch die richtige Besetzung als Dennis Stock ist.

In seinem vierten Film „Life“ erzählt Fotograf und Regisseur Anton Corbijn von der Freundschaft zwischen James Dean, dessen Todestag sich am 30. September zum 60. Mal jährt, und dem Magnum-Fotografen Dennis Stock. Er wirft einen persönlichen Blick auf die Geschichte hinter den weltberühmten Bildern, darunter auch das berühmte Times-Square-Foto, in dem die Ikone mit hochgeschlagenem Kragen rauchend im Regen steht.

AZ: Mr. Corbijn, warum haben Sie gerade diese Geschichte verfilmt? Nicht James Dean steht im Mittelpunkt, sondern der Fotograf.

ANTON CORBIJN: Mir ging es um Dennis Stock, der James Dean porträtierte, um die Beziehung zwischen den beiden. Als Fotograf hat mich besonders diese Machtbalance zwischen Fotograf und Fotografiertem interessiert, die spannende Frage, wer beeinflusst wen. Ich kann mich mit Stock identifizieren, weil er mehr als ein Porträtfotograf war, jemand, der die Menschen in ihrer Umgebung zeigte und damit auch ein Stück Zeitgeschichte abbildete. „Life“ ist ein sehr persönlicher Film.

Warum ist James Dean immer noch eine Legende?

Besonders der Tod in jungen Jahren sorgte für die Entstehung eines Mythos. Es heißt nicht umsonst „Live Fast, Die Young“. James Dean war ein Rebell, die personifizierte Veränderung und stand für eine neue unangepasste Generation, die sich gegen ihre spießigen Eltern und deren Musik wandte, die Jazz und Rock’n’Roll liebte, hungrig auf Leben war.

Hatten Sie schon mal eine ähnlich enge Beziehung zu einem Star wie Dennis Stock zu James Dean?

Zu Beginn meiner Laufbahn in den 1970er Jahren fotografierte ich Herman Brood, dass er später einer der größten Rockstars der Niederlande wurde, war nicht vorauszusehen. Wir blieben dennoch Freunde. Wäre James Dean nicht gestorben, wäre es vielleicht bei ihm und Dennis Stock ähnlich gelaufen. Es gibt da keine Regeln. Mir geht es nicht um Berühmtheiten, sondern um die Arbeit dieser Leute. Danach suche ich sie mir aus. Ich mache auch nicht zack ein Foto und verschwinde wieder, sondern lasse mich auf den Künstler ein, verbringe eine lange Zeit mit ihm, will hinter die Fassade gucken.

Warum ist „Twilight“-Star Robert Pattinson der Richtige als Dennis Stock?

Ich muss gestehen, ich habe „Twilight“ überhaupt nicht gesehen. Mir gefällt der Rollentausch. Robert, der ständig von Paparazzi belagert wird, spielt jetzt einen Fotografen, der einem Schauspieler auf den Fersen ist. Und er ist wirklich gut. Nach seinem Erfolg sucht er einen Weg, ein noch besserer Schauspieler zu werden, wie Dennis Stock, der damals versuchte, einzigartige Fotos zu machen.

Macht der Celebrity-Kult nicht die künstlerische Fotografie kaputt? „Knipsen“ kann heute mit der neuen Technologie jeder.

Die ist sehr demokratisch. Aber es kommt auf den Blick an. Wir werden mit visueller Information überschüttet, das zarte Geheimnis geht verloren. Es gibt kaum noch einen Moment der Intimität, Popularität frisst das eigene Leben. Aber jeder muss entscheiden, inwieweit er seine Privatsphäre hütet oder das Spiel bewusst mitmacht, weil es ihm vielleicht für die Karriere nutzt. Martin Scorsese hat mir mal erzählt, dass er früher den größten Wohnwagen bei Dreharbeiten bekam, heute kriegen den die Schauspieler. Das sagt doch alles.

Können im digitalen Zeitalter überhaupt noch solche Kult-Fotos wie die von James Dean entstehen?

Ich fotografiere immer noch analog. Daran hat sich nichts geändert. Ich liebe diese Überraschung, diese Unsicherheit, den Augenblick, in dem ich sehe, ob sich meine Vision erfüllt hat. Das Unvollkommene reizt mich, dadurch werden die Fotos erst menschlich.

Hatten Sie schon als junger Fotograf den Traum vom Filmemachen?

Überhaupt nicht. Film und Fotografie sprechen eine unterschiedliche Sprache. Bei einem Foto kann man sich viel vorstellen, öffnen sich über einen besonderen Moment die Schleusen der Fantasie. Im Film enthüllt man mehr, überlässt weniger der Fantasie. Ein Regisseur muss kommunikativ und offensiv sein. Als Einzelgänger bin ich für den Job viel zu schüchtern. Inzwischen bin ich überrascht, wie viel mir das Filmemachen bringt. Aber an erster Stelle steht die Fotografie.

Margret Köhler Kino: Monopol, Arri, Arena, City (OmU) und Museum (OV) R: Anton Corbijn (USA, 112 Min.)

 

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