Beschämendes Video Sachsen: Wütender Mob verängstigt Flüchtlinge

"Der deutsche Angstmob begrüßt die, die dem Tod von der Schippe gesprungen sind." Mit diesen Worten postete Moderator Jan Böhmermann am Freitagmorgen ein Video, das zeigt, wie "besorgte Bürger" einen Bus mit Flüchtlingen empfangen.

Clausnitz – "Wir sind das Volk" hallte es 1989 über die Plätze von Leipzig, Dresden und anderen ostdeutschen Großstädten. Mit dem Schlachtruf wandten sich die DDR-Bürger gegen ihre sozialistische Regierung, erstritten schließlich Freiheiten, Bürgerrechte und die Deutsche Einheit.

Auch 2016 wird "Wir sind das Volk" wieder in Sachsen skandiert, genauer gesagt in Clausnitz, einem Ortsteil der Erzgebirgsgemeinde Rechenberg-Bienenmühle. Dieses Mal richtet sich der Ruf allerdings nicht gegen ein unterdrückendes Regime, sondern gegen verängstigte Flüchtlinge.

Mit einem Bus, auf dem der Titel "Reisegenuss" prangt, wurden vor allem Frauen und Kinder nach Clausnitz gebracht, um in die dortigen Asylunterkunft einzuziehen. Der krakeelende Mob verschüchtert die Insassen jedoch so sehr, dass sie sich kaum trauen, den Bus zu verlassen. Ein Jugendlicher mit blauer Jacke klammert sich zunächst verängstigt an einen Betreuer und bricht dann in Tränen aus.

Die sächsischen Wutbürger scheinen solche Szenen nur noch anzustacheln, zum Sprechchor "Wir sind das Volk" gesellen sich nun auch "Auslänger raus"-Rufe.

Während das Video auf Twitter für Empörung sorgt, wurde es in der Facebook-Gruppe "Döbeln wehrt sich - Meine Stimme gegen Überfremdung", wo es ursprüngliche hochgeladen wurde, regelrecht gefeiert. Inzwischen ist die Facebook-Seite allerdings gelöscht worden.

Sachens Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte die Blockade in der Sächsischen Zeitung scharf: "Ich finde ich es zutiefst beschämend, wie hier mit Menschen umgegangen wird. Anstatt wenigstens den Versuch zu unternehmen, sich in die Situation der Flüchtlinge zu versetzen, blockieren einige Leute mit plumpen Parolen den Weg von schutzsuchenden Männern, Frauen und Kindern. Das kann ich nur verurteilen."

 
 
 
 
 

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