Berufsverkehr wird zur Geduldsprobe Baustellen-Chaos: Mega-Stau am Mittleren Ring droht

Stau auf dem mittleren Ring - für Münchner Autofahrer leider mittlerweile schon Alltag. Foto: dpa

Von August an wird es auf der "Stadtautobahn" mal wieder richtig eng. Das Nadelöhr am Isarring soll verbreitert werden – und wird dafür erst einmal auf eine Spur verengt.

 

München - Verkehrschaos, mal wieder. Baustellen am Mittleren Ring sind Münchens Autofahrern zwar kaum noch einen Seufzer wert – insgesamt mehr als ein Jahrzehnt wurde an mehreren Tunnelbauten gebuddelt. Kaum war eine Stelle fertig, ging es an einer anderen weiter. Nun wird es noch einmal richtig eng.

Der Isarring im Nordosten ist schon länger als Nadelöhr bekannt. Die Stadt will deshalb nun eine Fahrspur anstückeln. Doch bis es soweit ist, müssen sich die Autofahrer einmal mehr in Geduld üben.

In der Nacht auf kommenden Mittwoch wird schon mal eine Fertigplatte für die Verbreiterung der Brücke über die Gyßlingstraße geliefert (Vollsperrung Richtung Schwabing zwischen 1.45 und 4 Uhr). Am späten Abend des 7. August beginnt dann die Hauptbauphase. Dann wird der Isarring, zweispurig schon an der Belastungsgrenze, auf eine Spur verengt.

Wo jetzt 3.000 Autos pro Stunde fahren, passen dann nur noch 2.000 durch

"Das bedeutet für diesen sehr stark befahrenen Abschnitt des Mittleren Rings eine sehr harte Einschränkung", sagt Baustellenkoordinator Richard Bartl, "in Spitzenzeiten passieren stündlich gut 3000 Fahrzeuge diese Stelle. Das sind 1000 mehr, als wir in der Bauzeit durchbringen." Die veranschlagten knapp drei Monate Bauzeit erscheinen gegenüber den mehrjährigen Tunnelprojekten zwar wenig. Auch die Kosten in Höhe von 5,6 Millionen Euro wirken verglichen mit den sündhaft teuren Ringröhren wie ein Taschengeld. Doch das Projekt hat es in sich.

Umleitungsrouten fehlen – oder sind jetzt schon an der Belastungsgrenze. Bestenfalls Ortskundige finden brauchbare Schleichwege. Für die Überquerung der Isar etwa gibt es wenig Alternativen. "Man muss davon ausgehen, dass sich erhebliche Behinderungen ergeben werden", sagt Alexander Kreipl, Verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher beim ADAC Südbayern. "Die Ausweichmöglichkeiten sind sehr beschränkt."

Die Autos könnten sich bis auf die A 9 und A 8 zurückstauen

Der Verkehr könnte sich nördlich weit auf das Ende der Nürnberger Autobahn zurückstauen – und östlich bis zur Mündung der A 8 aus Salzburg. "Das ist das Horrorszenario, vor dem wir stehen", sagt Baustellenkoordinator Bartl. Auch auf dem nordöstlichen Autobahnring A 99 als weiträumige Umfahrung könnte der Verkehr zunehmen. Bartl empfiehlt deshalb den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel, Rad oder Motorroller. Auch die Bildung von Fahrgemeinschaften scheint ihm sinnvoll – oder als letztes Mittel: Homeoffice.

Die neue Nervenprobe am Isarring bringt dabei womöglich nur eine vorübergehende Lösung. In weiter Ferne als Königsweg: ein Tunnel. Denn der Isarring, von vielen als unverzeihliche Bausünde geächtet, schneidet den Englischen Garten entzwei.

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"Der Garten ist die größte und schönste Gartenanlage weltweit und steht unter striktem Denkmalschutz", sagt Architekt Hermann Grub, der mit seiner Frau Petra Lejeune die Stiftung "Ein Englischer Garten" gegründet hat und für die Wiedervereinigung kämpft.

Der Bau des Rings sei von Anfang an ein "Unding" gewesen, sagt er. "Eine Riesenautobahn mit 130.000 Autos pro Tag durch diesen Park zu bauen – das ist absurd", so Grub. "Dafür haben wir immer gekämpft: Dass diese städtebauliche Sünde repariert wird."

Der Tunnel hat auch Unterstützung aus der Staatsregierung. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) hat den Befürwortern des Autotunnels im Englischen Garten im Frühjahr Hoffnung gemacht: Die Gespräche zwischen Freistaat und der Stadt liefen bereits, sagte er da. Konkretes war seither jedoch nicht mehr zu vernehmen. Offen ist vor allem die Finanzierung. Laut Grub könnte der Tunnel nach neuen Berechnungen rund 125 Millionen Euro kosten.

Enge Fahrbahnen: Der ADAC befürchtet Unfälle in der Rushhour

Für ADAC-Experte Kreipl ist die neue Einfädelspur ein guter Schritt. "Es ist auf jeden Fall eine Verbesserung der Situation", sagt Kreipl mit Blick auf die stundenlangen Dauerstaus, die es zur Hauptverkehrszeit regelmäßig gibt.

Allerdings hat er auch Bedenken. "Da brauche ich kein großer Rechenmeister sein: Wenn ein Lkw 2,55 Meter breit ist und die Fahrspur hat drei Meter, dann ist es zu eng", sagt Kreipl. "Die Gefahr ist, dass es zu vielen Touchierungsunfällen kommt, gerade in der Rushhour." Er fürchtet: "Die Autofahrer bleiben stehen – und dann bricht der Verkehr erst recht zusammen."

Gerade deshalb sieht Tunnelbefürworter Grub die Baumaßnahme als wegweisend für eine künftige Umsetzung der Tunnelpläne: Die Fahrspuren müssten dauerhaft wieder weg – "und ersetzt werden durch etwas anderes. Und das kann im Prinzip nur der Tunnel sein", sagt er. "Sonst macht das ja gar keinen Sinn, sonst hätten sie gleich den Vollausbau machen können."

 

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