Berlinerin im Finale von Wimbledon „Bum Bum Bine“: So schön jubelt Sabine Lisicki

Als erste deutsche Tennisspielerin seit Steffi Graf 1999 steht Sabine Lisicki im Endspiel von Wimbledon. Schon mit 18 verkündete sie, einmal die Nummer eins der Welt werden zu wollen. Dabei musste sie in ihrer Karriere schon zahlreiche Rückschläge verkraften.

 

London - . Als Sabine Lisicki im Januar 2008 nach ihrem Erstrunden-Sieg bei den Australian Open verkündete, sie wolle die Nummer eins der Tennis-Welt werden, schwankte die Einschätzung der Zuhörer zwischen Größenwahn und Selbstbewusstsein. 18 Jahre alt war die blonde Deutsche, in der Rangliste auf Platz 194 notiert. Mit drei Siegen in der Qualifikation erreichte sie erstmals das Hauptfeld bei einem Grand-Slam-Turnier.

Nach der dritten Runde war schon wieder Schluss – und viele dachten: Wieder eine, deren Worte vielversprechender sind als die Taten auf dem Platz. Jetzt steht diese Sabine Lisicki im Endspiel der traditionsreichsten Veranstaltung, die ihre Sportart zu bieten hat. Im Finale von Wimbledon.

Die 1,78 Meter große Rechtshänderin liebt die ganz großen Bühnen, hier zeigt sie ihr bestes Tennis. Am allerliebsten spielt Lisicki auf den heiligen grünen Grasteppichen an der Church Road – und das trotz einer Rasenallergie. Im Alter von sieben Jahren beginnt die Tochter eines promovierten Sportwissenschaftlers und einer Künstlerin mit dem Tennis. Ihre Eltern Richard und Elisabeth zogen von Polen nach Deutschland.

Geboren wird Sabine Lisicki am 22. September 1989 in Troisdorf, seit 2003 lebt die Familie in Berlin. Lisicki hat mittlerweile einen Wohnsitz in der deutschen Hauptstadt und in Bradenton/Florida. Mit 14 wechselt die schon damals ehrgeizige Sportlerin an die berühmte Tennisakademie von Trainer-Legende Nick Bollettieri in den USA. Dort lernt sie nicht nur ihr markantes Power-Tennis mit den harten Aufschlägen, sondern auch den american way of life. Alles ist möglich, alles kann passieren, wenn man nur will.

„Sabine ist eine kleine Rampensau, die große Bühnen mag und darauf brennt, allen zu zeigen, wie gut sie wirklich ist“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner einmal über ihre Fed-Cup-Spielerin. Genau mit dieser Einstellung geht Lisicki ihrer großen Passion nach. Am besten gelingt ihr das in Wimbledon. Sie liebt das Spiel auf Rasen, hier stand sie vor ihrem wundersamen Final-Einzug 2013 schon im Viertelfinale (2009, 2012) und im Halbfinale (2011).

Vor zwei Jahren unterlag sie der Russin Maria Scharapowa. Die Engländer tauften sie „Bum Bum Bine“ oder „Doris Becker“. Nun will sich Lisicki in die Legendengalerie neben Boris Becker und Steffi Graf einreihen. Sie ist die erste Deutsche im Wimbledon-Finale seit Graf 1999. Sie will sich als erste Deutsche seit Grafs Sieg gegen Arantxa Sánchez-Vicario 1996 zur Wimbledon-Championesse krönen. „Sie kann unglaublich gut Tennis spielen. Und in Wimbledon weiß sie, dass sie alle schlagen kann“, sagt Coach Wim Fissette.

Dabei musste die neue deutsche Tennis-Heldin schon Rückschläge verkraften, die für eine ganze Karriere gereicht hätten. 2009 musste sie bei den US Open mit einem Rollstuhl vom Platz gebracht werden, die befürchtete schwere Verletzung bestätigte sich aber nicht. Im März 2010 zog sich Lisicki einen Bänderriss zu und musste fünf Monate pausieren. In dem Jahr verpasste sie deshalb auch ihr Lieblingsturnier in Wimbledon. 2011 musste sie bei den French Open völlig entkräftet auf einer Trage den Platz verlassen. Damals wurde nach der Rasen-Allergie auch eine Gluten-Allergie festgestellt. 2012 machte Lisicki eine Bauchmuskelverletzung lange zu schaffen, aber sie wollte unbedingt bei den Olympischen Spielen dabei sein. Ihr Ehrgeiz hätte eine Absage auch gar nicht zugelassen. Zumal das olympische Turnier da stattfand, wo sie am liebsten ist – in Wimbledon.

 

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