Bergunfall im Reintal Unter Eisbrocken begraben: Hüttenwirt stirbt beim Klettern!

Autorenprofil Ruth Schormann
, aktualisiert am 11.06.2018 - 16:18 Uhr
Michael S. (kl. Bild) hat seit drei Jahren die Reintalangerhütte bewirtschaftet. Hier zwischen Partnachklamm und Zugspitzplatt ist der 51-Jährige beim Eisklettern tödlich verunglückt. Foto: DAV/Polizei/AZ

Am Partnach-Ursprung begraben Eismassen Hüttenwirt Michael S. beim Klettern unter sich. Er ist sofort tot. Der Alpenverein reagiert bestürzt.

Garmisch-Partenkirchen - Die bayerischen Bergsportler trauern um Hüttenwirt Michael S. von der Reintalangerhütte. Er war am Sonntag mit seinen beiden Söhnen zum Eisklettern aufgebrochen – und verunglückte dabei tödlich.

Wie konnte das schreckliche Unglück passieren? Unklar. Michael S. gilt als sehr erfahrener Kletterer. Am Sonntag macht sich der 51-Jährige mit seinen beiden Söhnen auf – sie sind zischen dem Zugspitzplatt und der Partnachklamm unterwegs. "Er hat mit Sicherheit alles Planbare eingeplant. Der Rest ist unkalkulierbar", sagt Frank Martin Siefarth vom Alpenverein tags darauf zur AZ über Michael S. Seine Söhne und er klettern an einem der letzten vorhandenen Lawinenkegel, so die Polizei.

Dann passiert es: Wohl wegen der sommerlichen Temperaturen löst sich gegen 10.30 Uhr ein Teil des Eisgebildes und begräbt Michael S. vollständig unter sich. Einer der Söhne landet ebenfalls unter den Eismassen, wird zum Glück nur teilweise verschüttet. Sein Bruder versucht verzweifelt, ihn und den Vater zu befreien, doch er schafft es nicht und setzt daraufhin einen Notruf ab.

Bergwacht mit Kettensägen im Einsatz

Für die Bergwachtler aus Garmisch-Partenkirchen ist es kein einfacher Einsatz: Mit Kettensägen müssen die Retter die Eismassen zerkleinern, um zu den beiden Verunglückten vorzudringen.

Unter erheblicher Eigengefährdung, schildert Lorenz Kellner von der Bad Tölzer Inspektion, gelingt es den 31 Einsatzkräften, den Sohn zu befreien. Er ist am Bein verletzt und muss mit dem Hubschrauber ins Garmischer Klinikum gebracht werden. Für Michael S. aber kommt die Hilfe zu spät. Er stirbt noch an der Unfallstelle. Einen Tag danach herrscht große Bestürzung bei der Sektion München des Deutschen Alpenvereins. Man sei "tief betroffen", heißt es auf der DAV-Homepage. Sprecher Siefarth sagt zur AZ: "Michi S. war ein ganz engagierter Mensch, der sich mit dieser Hütte auch einen Traum erfüllt hat. Er hatte noch viel vor."

Seit drei Jahren hat Michael S. die Reintalangerhütte mit seiner Frau bewirtschaftet. Er kannte die Region von klein auf, denn er stammt selbst aus Garmisch. "Er hat so viel Herzblut in die Hütte gesteckt", sagt Siefarth. Und auch er bestätigt, dass Michael S. ein sehr erfahrener Eiskletterer gewesen ist. "Leider gibt es immer ein gewisses Restrisiko", sagt Siefarth .

Der Betrieb der Reintalangerhütte wird aufrecht erhalten – auch am Tag danach. "Michis Team ist da und auch von der Sektion ist jemand unterwegs und schaut, wo man helfen kann", sagt Siefarth. Am Tag der Beerdigung werde der Betrieb vermutlich reduziert, da sich bestimmt viele Mitarbeiter von Michi S. verabschieden möchten. Informationen zu etwaigen Stornierungen oder geänderten Öffnungszeiten werden auf www.reintalangerhuette.de bekannt gegeben.

 

13 Kommentare

Kommentieren

  1. null