Bergsteigen im Ötztal Rauf auf über 3000 Meter zur Hochstubaihütte

Die Hochstubaihütte. Sie befindet sich auf der Wildkarspitze auf einer Höhe von 3173 Metern. Foto: Robert Braunmüller

In den Stubaier und Ötztaler Alpen können Bergwanderer diese magische Marke erklimmen - und werden mit grandioser Aussicht und der Einkehr in urigen Hütten belohnt

Dem höchsten deutschen Berg, der Zugspitze, fehlen 38 Meter zur magischen Marke. Wer einen Dreitausender in näherer Umgebung bezwingen will, muss nach Österreich. Es gibt einige Skigebiete, deren Seilbahnen so weit hinaufreichen. Aber das wäre letztlich geschwindelt.

In den Ötztaler und Stubaier Alpen stehen die höchsten Hütten Österreichs – knapp oberhalb der magischen Marke. Eine von ihnen ist die Hochstubaihütte hoch über dem Windachtal. Wenn man den Forststraßenhatscher von Sölden mit dem Taxi zur Kleblealm abkürzt, ist man in gut fünf Stunden oben – reine Gehzeit, versteht sich. Oberhalb des Laubkarsees auf etwa 2700 Metern wächst auch kein Gras mehr: Steil geht es ab hier durch eine wilde Steinwüste hinauf zur Hütte, die auf der Wildkarspitze in 3173 Metern Höhe steht.

Die letzten Meter fallen schwer: Man merkt, dass die Luft dünner wird. Das Gehen strengt an. Und der eine oder andere Flachlandtiroler wird von Kopfschmerzen und Übelkeit befallen. Besser ist es, zwei bis drei Tage vorher anzureisen, um sich mit kleineren Touren an die Höhe zu gewöhnen.

Offen ist die Hochstubaihütte nur kurz: von Anfang Juni bis Mitte September. Hüttenwirt Thomas Grollmus lässt das Essen ein-, zweimal pro Saison mit dem Hubschrauber hinauffliegen. Und gelegentlich bittet er jemanden, frischen Salat vom Tal heraufzubringen.

Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind unabdingbar

Das Essen ist gut, die Lage der Hütte in der felsigen, lebensfeindlichen Ödnis so grandios wie der Blick nach Westen zur Wildspitze auf der gegenüberliegenden Seite des Ötztals. Die Gegend zieht kantige Gestalten an: Der Assistent des Hüttenwirts arbeitet den Rest des Jahres als Bestatter.

Am nächsten Tag geht es steil hinunter über die „Himmelsleiter“ – entweder hinunter ins Windachtal oder weiter zur Hildesheimer Hütte. Dazu muss man wieder gut 800 Meter hinauf aufs Stubaier Eisjoch. Dort erwartet einen ein Kulturschock: Auf dem spaltenlosen Windacher Ferner liegen Fetzen einer weißen Abdeckung, die das Abschmelzen verhindern soll. Weiter oben kommt der Müll vom Winter aus dem Eis heraus.

Bei der Jausenstation unterhalb der Aussichtsplattform „Top of Tyrol“ in 3210 Metern Höhe blickt man eher verachtungsvoll auf gut gelaunte Halbschuhtouristen, die mit der Sesselbahn aus dem Stubai heraufgekommen sind.

Auf dem Windachferner schaufeln schwere Bagger die Schneereste für eine Snowboard-WM zusammen. Da schaut man, dass man schnell zur Hildesheimer Hütte auf 2900 Meter Höhe absteigt. Nach der mit Stangen markierten Gletscherquerung geht es in Sichtweite der Hütte noch einmal ziemlich steil und ausgesetzt hinunter. Dann aber beeindruckt der Blick von der Terrasse auf die dem Zuckerhütl vorgelagerte Pfaffenschneid mit ihrem fast überhängenden Gletscher: ein einmaliger Ausblick, vor allem in der Abendsonne.

Ganz oben geht es eher rau zu

Wer dann noch nicht genug hat, kann am Gamsplatzl (3019 m) noch einmal die magische Linie überschreiten und zur Siegerlandhütte hinübergehen. Alle diese Wege sind für geübte Bergwanderer machbar. Gute Kondition, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind unabdingbare Voraussetzungen. Aber eins ist auch klar: Oberhalb von 2000 Metern endet die Schonzone. Noch einmal 1000 Meter höher geht es rau zu – da kann das Wetter schnell umschlagen und die Temperatur auf Null Grad fallen.

Ein Bergführer kann einem dabei helfen, mit dem richtigen Gehtempo die eigenen Grenzen besser auszutesten. Oberhalb von 3000 Metern erwartet einen eine grandiose Leere der Landschaft, die unten, in den vom Wintersport geprägten Orten des Ötztals mit ihrem im Sommer eher herben Charme kaum zu ahnen ist.


Bergsteigen in Sölden

Ausrüstung: Die Höhe hat’s in sich, an der 3000er-Grenze wird die Luft dünn. Unabdingbar ist die passende Ausrüstung mit knöchelhohen Wanderschuhen, Funktionskleidung, Mütze und Handschuhen.

Buchung & Unterkünfte: Eine Umrundung des Windachtals (fünf Tage, vier Hüttennächte) kann direkt bei den Bergführern des Ötztals gebucht werden. Zeitraum: Anfang Juni bis Mitte September, je nach Schneelage. Kosten: 300 Euro pro Tag für eine Person, für jede weitere 20 Euro. Die Nacht in einer der Berghütten (Hochstubaihütte, Hildesheimer Hütte, Siegerlandhütte, Brunnenkogelhaus) kostet zwischen 40 und 45 Euro – inklusive Halbpension. Insgesamt sind 3000 Höhenmeter im Anstieg zu bewältigen. Ob zum Akklimatisieren oder Ausklingen: In Sölden selbst stehen zahlreiche Gasthöfe und Hotels unterschiedlicher Kategorien zur Auswahl. Besonderer Tipp: Das 4-Sterne-Superior-Hotel Regina; Übernachtung pro Person im DZ mit HP ab 86 Euro pro Person.

Weitere Infos: Ötztal Tourismus, Gemeindestraße 4, A-6450 Sölden, Telefon +43 (0) 57200, info@oetztal.com, www.oetztal.com

 


 

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