Beleidigung statt Zivilcourage Prügel nach Flüchtlingshilfe? Alles ganz anders!

Die Schlägerei in Schwabing lief etwas anders ab, als zunächst vom Opfer angegeben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Seit vergangenem Mittwoch suchte die Polizei nach vier Jugendlichen. Ein Mann gab an, von ihnen zusammengeschlagen worden zu sein, als er zwei Asylbewerberinnen vor den Jugendlichen schützen wollte. Jetzt kommt heraus: Der Fall lief in Wirklichkeit etwas anders ab.

 

München – Einige Medien sprachen schon von einem "neuen Fall Brunner", so ungeheuerlich klangen die Vorwürfe: Vier Jugendliche pöbeln zwei Somalierinnen an und als ein couragierter Mann dazwischen gehen wollte, wurde er mit einer Holzlatte krankenhausreif geschlagen.

Nun zeigen die Ermittlungen einen anderen Tatverlauf auf: Die Schlägerei gab es wohl, die Frauen in Not aber nicht. Das teilte die Polizei am Montag mit, nachdem die vier Jugendlichen identifiziert und verhört werden konnten. Demnach spielte sich die Tat wohl wie folgt ab.

Erst wird er beleidigt, dann handgreiflich

Am Freitag, 8. Juli, war das spätere Opfer, ein 39-jähriger Deutscher mit afrikanischen Wurzeln, abends mit dem Bus auf dem Heimweg. Der Mann war alkoholisiert und wurde im Bus von vier Jungen im Alter von 15 bis 17 Jahren mit Affenlauten beleidigt. An der Haltestelle Heidemannstraße / Werner-Egk-Bogen stieg der Mann schließlich aus dem Bus.

Die vier Jugendlichen folgten ihm und verspotteten ihn wohl weiter, woraufhin sich der Lagerist umdrehte und einen der Jungen am Hals packte. Er drückte ihn von sich weg und drohte den Jugendlichen. Davon ließen sich die Halbstarken aber nicht beeindrucken – sie setzten ihren Spott unvermindert fort.

Zugleich versuchten sie allerdings auch, Distanz zu dem 39-Jährigen zu wahren. Bei einem Mülltonnenhäuschen fand einer der Jugendlichen ein etwa zwei Meter langes Holzteil. Er wollte damit den Mann auf Abstand halten. Da sich dieser jedoch hiervon nicht beeindrucken ließ, warf ihm der Jugendliche das Holzsteil vor die Füße und rannte davon.

Jetzt wird gegen Täter und Opfer ermittelt

Der 39-Jährige verfolgte den Jugendlichen, woraufhin ihn die anderen drei angriffen. Zunächst wurden dem 39-jährigen die Beine weggezogen, sodass er zu Boden stürzte. Auf dem Rücken liegend trat einer dem Mann ins Gesicht und versetzte ihm im Anschluss noch zwei Faustschläge, wobei er mit dem Daumen ein Auge des Mannes traf. Im Anschluss an die Tat flüchteten die Jugendlichen.

Nun wird nicht nur gegen die vier Jugendlichen wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung ermittelt, sondern auch gegen ihr Opfer – wegen Falschaussage und falscher Verdächtigungen. Denn wie die Polizei am Montag mitteilte, konnten "die bisherigen Ermittlungen [...] nicht bestätigen, dass der 39-Jährige nach dem Aussteigen aus dem Bus auf eine Personengruppe stieß, bei denen es sich offensichtlich um Schwarzafrikaner handelte."

Aufgrund des neuen Sachverhaltes wird nun auch nicht mehr von einer Tat mit politisch motiviertem Hintergrund ausgegangen.

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