Seit sechs Jahren spielt Javi Martínez mittlerweile beim FC Bayern – wenn es nach ihm geht, bleiben die Münchner vielleicht sogar seine letzte Karrierestation. "Im Moment gibt es auch keinen besseren Ort."

München - 40 Millionen Euro ließen sich die Bayern damals, im Sommer 2012, die Dienste von Javi Martínez kosten. Der Spanier kam damals von Athletic Bilbao, noch nie zuvor hatten die Bayern mehr für einen neuen Spieler gezahlt.

Sechs Jahre ist das jetzt mittlerweile her – in dieser Zeit wurde der 29-Jährige zum Stammspieler und Leistungsträger des deutschen Rekordmeisters. Gerüchte um einen möglichen Abgang gab es bisher nie – Gründe dafür gibt es eigentlich auch keine. Martínez hat trotz immenser Konkurrenz im defensiven und zentralen Mittelfeld große Chancen auf einen Stammplatz unter dem neuen Trainer Niko Kovac. Hinzu kommt: Der Spanier fühlt sich wohl in der bayerischen Landeshauptstadt, wie er jetzt im AZ-Interview erklärt hat.


AZ: Herr Martínez, im Rahmen der Paulaner Fanträume haben Sie diese Woche Ihr eigenes Bier gebraut. Haben Sie also die Weißbierduschen schon mal vorbereitet?
JAVI MARTÍNEZ: (lacht) Nein, wir denken jetzt noch nicht ans Saisonende – daran, dass wir Titel gewinnen wollen schon, aber im Moment ist das noch weit weg. Aktuell ist das erste Pokalspiel am Samstag das Wichtigste für uns.

Vergangene Saison durften Sie mit dem FC Bayern nur einen Titel feiern. In dieser Saison darf es schon wieder der ein oder andere mehr sein, oder?
Natürlich. Wenn du bei Bayern spielst, versuchst du immer, jeden Titel holen. Der einzige Weg, der dort hinführt, ist Spiel für Spiel zu gewinnen. Das ist unser Ziel.

Der Anfang ist gemacht. Den Supercup gegen Frankfurt gewann Bayern mit 5:0.
Mit einem Sieg zu beginnen, ist immer wichtig. Wir haben es sehr gut gemacht gegen die Eintracht. Es war ein Finale, aber das ist jetzt vorbei, wir müssen uns auf das konzentrieren, was jetzt kommt. Wir sind noch in der Vorbereitung, müssen hart arbeiten und bereit sein für die Saison.

Martínez: Das unterscheidet Kovac von anderen Trainern

Ist es wirklich so hart, unter Niko Kovac zu trainieren? Die Einheiten dauern teilweise bis zu zwei Stunden.
Ich habe auch schon mal länger trainiert. Unter Marcelo Bielsa bei Athletic Bilbao haben wir dreieinhalb Stunden trainiert. Das war zu lang. Unter Kovac sind es sehr dynamische Übungen. Die Zeit vergeht sehr schnell, die zwei Stunden fühlen sich wie 15 Minuten an. Am Sonntag in Frankfurt hat man gesehen, dass wir gut gearbeitet haben und in einer guten Verfassung sind.

Ihre vorherigen Trainer bei Bayern waren Jupp Heynckes und Pep Guardiola. Wem der beiden ähnelt Kovac mehr?
Jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen. Er hat ein bisschen etwas von Jupp und auch ein wenig von Pep. Er hilft uns mit seinem Fitnesstraining sehr, das ist genau das, was wir brauchen. Die Saison ist sehr lang, da müssen wir jetzt hart trainieren, um bereit dafür zu sein.

Ist die Mannschaft stärker als im Vorjahr? Mit Leon Goretzka und Serge Gnabry gibt es zwei neue Spieler, Arturo Vidal hat den Verein verlassen.
Bayern hat gute Spieler verpflichtet und wir haben einen sehr guten Kader. Arturo war schon sehr wichtig für uns, auch für mich persönlich, weil er ein guter Freund von mir ist. Aber wir haben auch andere Spieler, die gut auf seiner Position spielen können.

Zusatzinhalte
Öffnen Sie bitten den Artikel auf unserer Website, um diesen Inhalt anzusehen.
Zur mobilen Website

Zum Beispiel Sie. Müssen Sie jetzt ein bisschen üben, böse zu schauen, um Vidal würdig zu ersetzen?
(lacht) Ich bin hässlich genug, da brauche ich meinen Gesichtsausdruck nicht wechseln. Mit diesem Gesicht nehme ich es mit jedem Gegner auf.

Genau wie bei Jérôme Boateng gibt es auch um Ihren Landsmann Thiago aktuell Wechselgerüchte.
Davon habe ich gehört, aber nur aus den Medien und nicht von ihm. Für mich ist aber eigentlich nur wichtig, was er selbst dazu sagt. Deshalb widme ich dem auch nicht allzu viel Aufmerksamkeit.

Arjen Robben sagte, dass es wichtig wäre, die Mannschaft zusammenzuhalten.
Alle in unserer Mannschaft gehen zusammen in die gleiche Richtung, wir arbeiten gut zusammen. Das Wichtigste ist, dass die Mannschaft ein richtiges Team ist, das absolut zusammenhält. Nur so kannst du Titel gewinnen. Wir sind sehr stark in dieser Hinsicht, ein großes Team.

Mit Sandro Wagner scheinen Sie sich besonders gut zu verstehen, oder?
Er hat einen südländischen Charakter. Er ist super lustig, wir haben viel Spaß. Und er ist für uns wie ein Vorbild, weil er wie ein Tier arbeitet und immer eine positive Einstellung hat. Aber er kann auch anders.

Aha?
Nach meiner 18-monatigen Verletzungspause habe ich mal gegen Sandro (und Darmstadt; d. Red.) gespielt – und er hat mir mit der ersten Aktion den Ellenbogen in die Nase gehauen und gesagt: "Willkommen in der Bundesliga." Ich sage immer zu ihm: "Auf dem Platz bist du ein großes Arschloch." Daneben sind wir mittlerweile gute Freunde.

Martínez möchte nach seiner Karriere studieren

Sie selbst gehen nun schon in Ihre siebte Saison bei Bayern.
Als ich hierherkam, wusste ich, wie schwierig es ist, lange bei Bayern zu bleiben, weil die Konkurrenz unheimlich groß ist. Hier spielen die besten Spieler der Welt. Deshalb ist es für mich eine große Ehre, schon sechs Jahre hier zu sein. Hoffentlich kann ich noch lange in München bleiben.

Könnten Sie sich vorstellen, Ihre Karriere irgendwann bei Bayern zu beenden?
Ich bin ja erst 29, aber ich könnte mir das schon vorstellen und im Moment gibt es auch keinen besseren Ort, an dem ich sein möchte. Meine Familie fühlt sich hier sehr wohl, für meine Kinder ist es perfekt hier, unser Zuhause. Nach sechs Jahren fühle ich mich hier in München dahoam. Ich hoffe, dass ich noch viele Jahre bleiben kann.

Stimmt es, dass Sie als Kind Journalist werden wollten?
Ja, das war ein Kindheitstraum von mir. Ich wollte auch Journalismus studieren. Ich konnte aber nicht beides machen und habe mich dann für den Fußball entschieden.

Nach der Karriere könnten Sie Ihren Traum ja noch verwirklichen.
Studieren möchte ich nach meiner Karriere immer noch. Wahrscheinlich aber nicht mehr Journalismus – vielleicht eher etwas in der Wirtschafts-Richtung. Mit Geld umgehen zu können und zu wissen, was man damit tut, ist sehr wichtig.

Auch vielleicht mal im Management eines Vereins?
Durch diese Fragen fühle ich mich plötzlich ziemlich alt. Ich bin doch aber erst 29. Im Moment bin ich noch Fußballer und weiß nicht, was morgen sein wird. Deshalb lebe ich lieber im Augenblick.

Zusatzinhalte
Öffnen Sie bitten den Artikel auf unserer Website, um diesen Inhalt anzusehen.
Zur mobilen Website