Beispiel Lindwurmstraße ADFC fordert Radlerspur auf allen großen Straßen

Bertram Klein vom ADFC will mehr Fahrradspuren auf Münchens Straßen. Quelle: Unbekannt

Auf der Lindwurmstraße haben Radler seit kurzem eine eigene Spur, Autofahrer eine weniger. Bertram Klein vom ADFC wünscht sich auf allen Ausfallstraßen eine Radlerspur.

Bertram Klein ist stellvertretender Leiter der Arbeitsgemeinschaft Verkehr beim Allgemeinen deutschen Fahrradclub (ADFC) München. Der 38-jährige Physiker fordert im Interview mit der AZ: "Man muss dem zunehmenden Radverkehr Rechnung tragen.

 

AZ: Herr Klein, der ADFC fordert seit Jahren, dass Radler generell auf der Fahrbahn fahren dürfen. Jetzt gibt auch die Stadt immer häufiger grünes Licht, indem sie die Benutzungspflicht für Radwege aufhebt. Empfinden Sie Genugtuung?
BERTRAM KLEIN: Das KVR setzt viele unserer Vorstöße um, darüber freuen wir uns. Aber mit vielem sind wir noch nicht zufrieden.

Was spricht für das Radeln auf der Straße?
Wenn die Radler auf der Fahrbahn eigene Spuren bekommen, passieren deutlich weniger Unfälle beim Rechtsabbiegen von Kraftfahrern oder an Einmündungen. Auf der Fahrbahn werden Radfahrer von Autofahrern viel besser wahrgenommen. Die meisten Unfälle passieren, wenn Überraschendes geschieht, wenn man nicht miteinander rechnet.

Welche Vorteile bringt die Straße noch für Radfahrer?
Der Radverkehr ist deutlich inhomogener als der Kraftverkehr. Beim Radfahren kommt es auf die eigene Muskelkraft an. Da gibt es eben enorme Unterschiede, wie schnell jemand unterwegs ist.
Es ist wichtig, dass Radfahrer sich gegenseitig überholen können. Auf zu schmalen Radwegen, wo links eine Mauer aus geparkten Autos steht und rechts die Fußgänger gehen, ist das kaum möglich. Das birgt Gefahren. Auf der Fahrbahn gibt es immer Möglichkeiten zu überholen.

Viele Radler fühlen sich auf der Straße aber unsicher.
Das kann ich gut verstehen. Wovor viele Angst haben, also, dass sie beim Überholt werden angefahren werden, das passiert jedoch äußerst selten. Das belegen die Unfallstatistiken der Polizei.

Das KVR stellt sich vor, dass dort, wo die Benutzungspflicht für Radwege aufgehoben ist, langsamere Radfahrer nach wie vor auf Radwegen unterwegs sind und die schnelleren auf der Straße. Wird es dann nicht chaotisch? Auch für Fußgänger, die sich so vier Mal zwischen Radlern hindurch schlängeln müssen, um von einer Straßenseite auf die andere zu kommen?
Es ist eine Kompromiss-Situation. Uns wäre lieber, wenn alle Radfahrer auf der Fahrbahn unterwegs sind. Aber wir wollen niemanden dazu zwingen.

In der Lindwurmstraße haben Radler jetzt eine eigene Spur, Autofahrer eine weniger. Viele Autofahrer regen sich auf, sie fühlen sich ausgebremst.
Ich halte die derzeitige Lösung in der Lindwurmstraße für ideal. So würde ich es mir für alle großen Ein- und Ausfallstraßen wünschen. Man muss dem zunehmenden Radverkehr Rechnung tragen. Es dauert immer ein bisschen, bis sich der Verkehr an neue Situationen anpasst. Ich bin mir sicher, das reguliert sich von selbst. Sie sehen das an Baustellen: nach ein zwei Wochen suchen sich die Autofahrer neue Wege und alles entzerrt sich wieder.

Mehr Radler auf der Straße wird dazu führen, dass Autos langsamer vorwärts kommen.

Ja, das führt sicherlich zur Entschleunigung. Aber ich sehe das nicht als etwas Schlimmes an. Es ist nur angemessen, dass der Radverkehr seinen entsprechenden Platz bekommt.

Wo sehen Sie noch Handlungsbedarf für Radler?
Wir brauchen mehr Radstationen, wo die Räder sicher und trocken aufbewahrt werden können. Am Hauptbahnhof ist die Situation katastrophal. Zudem sollten Schrotträder, die Radständer blockieren, schneller entsorgt werden. Dort, wo Radler auf Radwegen unterwegs sind, sollten die Ampeln länger Grün anzeigen als für Fußgänger. Sie sind schließlich schneller. Diese Radlerampeln sollten direkt neben den Ampeln für Autofahrer montiert werden; dann sehen das auch die Kraftfahrer auf einen Blick und sind beim Abbiegen gewarnt.

 

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