Beim Danke-Konzert auf dem Königsplatz Aeham Ahmad: Der Pianist aus den Trümmern

Aeham Ahmad spielt in München – und gegen die Angst, den Krieg, die Bedrohung. Genau so, wie er es schon in Syrien getan hat. Foto: Marc Müller/dpa Foto: pda

IS-Milizen haben in Syrien das Instrument von Aeham Ahmad (27) verbrannt. Jetzt lebt und spielt der Mann, der weltbekannt geworden ist, in München.

 

München - Auch Aeham Ahmad trat auf zwischen all den großen Namen auf dem Königsplatz am Sonntag. Der Syrer ist kein Star im Popstar-Scheinwerferlicht-Sinn – dafür vielleicht ein umso größerer Mann.

Ahmad, ein Pianist und Musiklehrer, spielte auf seinem rollenden Klavier in den Trümmern von Damaskus, für die Hoffnung und gegen den Terror der Terrororganisation IS.

Die Bilder und Youtube-Videos von ihm, auf einem Holzstuhl an seinem Instrument sitzend, die zerbombten Häuser im Hintergrund, gingen um die Welt.

Freunde, Familie, Fremde, andere Bürgerkriegs-Opfer sangen mit ihm im palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk. In den Liedern ging es um Hunger, Furcht, Freunde, die sie verloren hatten. Und den Wunsch nach Frieden.

Aeham Ahmad ertrug das Leid, um anderen einen Lichtblick zu geben mit seiner Musik, obwohl Dschihadisten drohten, ihn zu töten. Dann verbrannten die Milizen im April sein Klavier, das er gerade aus dem Camp fahren wollte – mit der Begründung, Musik sei im Islam verboten sei. „Das war wie der Tod eines Freundes“, sagte Ahmad. Er, der mit seiner Musik andere dazu bringen wollte, von der gefährlichen Reise abzusehen, beschloss, nach Europa zu fliehen.

Durch den Stacheldraht an der syrisch-türkischen Grenze kam er, von der Türkei aus mit einem Schlepper-Boot über das Mittelmeer, über die Insel Lesbo nach Griechenland, über Mazedonien, Serbien und Österreich nach Deutschland. Die Flucht dokumentierte Ahmad auf seiner Facebook-Seite, „Diaries of a Traveler in the Sea“ nannte er seine Eindrücke vom gefährlichen Weg nach Europa – „Tagebuch eines Reisenden im Meer“. Seit Ende September lebt er in München. Seine Frau und seine beiden Kinder sind noch in Syrien. Er möchte sie so schnell wie möglich nachholen. Gestern sang er hier ein Lied auf Arabisch – über Jarmuk, das Flüchtlingslager, in dem er aufgewachsen ist.

 

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