Bei Blutabnahme im Fall Domenico S. Mitten ins Gesicht: Verdächtiger schlägt Chefermittler Kraus

Kriminaloberrat Markus Kraus leitet seit 2010 die Münchner Mordkommission. Er ist auch für den Mordfall Domenico L. (kleines Bild) zuständig. Foto: Polizei/az

Nach einer Blutentnahme rastet ein Neuperlacher aus und geht auf den Chef der Mordkommission los – Anklage wegen Körperverletzung.

München - Polizisten werden beleidigt, bedroht und immer häufiger verletzt. Mindestens jeden dritten Beamten hat es 2014 erwischt. Laut bayerischem Innenministerium wurden 14531 Beamte tätlich angegriffen, 1887 verletzt. Unter den Opfern ist in diesem Jahr einer der bekanntesten Münchner Polizisten: der Chef der Mordkommission, Markus Kraus (42).

Und das kam so: Seit zweieinhalb Jahren sucht die Polizei nach dem sogenannten Isarmörder. Der Unbekannte stach am Abend des 28. Mai 2013 am Europäischen Patentamt den italienischen Ingenieur Domenico Lorusso nieder. Der 31-Jährige war an dem lauen Maiabend mit seiner Verlobten an der Isar entlang geradelt. Am Patentamt kam ihnen ein Mann entgegen, der Domenicos Verlobten ohne erkennbaren Grund ins Gesicht spuckte. Als der Ingenieur den Fremden zur Rede stellen wollte, stach ihn der Unbekannte nieder und flüchtete. Domenico Lorussa starb im Sanka.

Bis heute konnte die Polizei den Mörder nicht fassen. Doch sie ermittelt nach wie vor intensiv. Immer wieder werden Personen, die ins Täterprofil passen oder in Tatortnähe waren, überprüft. Bei solch einer Maßnahme wurde der Chefermittler angegriffen, bestätigte die Staatsanwaltschaft.

Kraus und seine Kollegen hatten einen richterlichen Beschluss, um von einem Mann aus Neuperlach eine Blutprobe zu nehmen. Die DNA des Verdächtigen sollte mit der DNA des Mörder verglichen werden.

Als ein Arzt das Blut im Beisein der Mordkommission abgenommen hatte und alle bereits am Gehen waren, stürzte sich der Mann plötzlich auf Markus Kraus und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.

Der Schläger wurde sofort festgenommen. Der Kriminaloberrat wurde ambulant in einer Klinik behandelt. Der Schläger ist inzwischen in einer psychiatrischen Klinik. Der Verdacht, dass er etwas mit dem Mord zu tun haben könnte, hat sich nicht bestätigt. Doch die brutale Attacke hat ein Nachspiel: Im Januar muss sich der Mann wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Der Fall Domenico L.: Trotz riesigem Aufwand keine heiße Spur

Die Münchner Kripo ist seit dem Mord an Domenico Lorusso 700 Hinweisen nachgegangen und hat 15 000 Personen überprüft. Beim größten Massen-Gentest in der Münchner Geschichte wurden mehr als 5500 Speichelproben mit der DNA des Täters verglichen. Anfangs ermittelte eine 30-köpfige Sonderkommission, derzeit arbeiten sechs Beamte der Mordkommission an dem Fall. Jedes Mal, wenn jemand durch Spuckattacken und Messer-Angriffe oder durch unmotivierte Attacken auffällt, wird eine Speichelprobe veranlasst.

 

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