Bedia, Rodri, Sanchez Spanisches Löwen-Trio: Die Integrationsfrage

Kommunikationsprobleme: Die beiden Spanier (v.l.) Rodri und Ilie Sanchez mit Löwen-Trainer Torsten Fröhling. Foto: sampics

„Wir müssen eine Mannschaft sein“, fordert Trainer Torsten Fröhling. Wie steht es um das Gefühl der Zusammengehörigkeit bei den 1860-Profis? Die AZ macht den Check – und zeigt die drei Problemfälle.

München – Seit Dienstag weilen vier Löwen mehr an der Grünwalder Straße. Die Nationalspieler Rubin Okotie, Valdet Rama, Krisztian Simon und Bobby Wood sind nach Sonderurlaub wieder im Training. Neuzugänge lassen dagegen weiter auf sich warten. Torsten Fröhling sucht neben neuen Spielern auch noch etwas anderes: eine Mannschaft.

Als der frühere U21-Coach im Februar seinen Job bei den Profis angetreten hatte, fand er eine solche nicht vor: „Es ist im letzten Jahr eine Menge falsch gelaufen, von allen Beteiligten. Wenn wir mit den aktuellen Spielern eine Mannschaft haben – alle gemeinsam – dann werden wir gut durchkommen. Aber das muss noch besser werden“, sagte der Löwen-Dompteur. Und meinte nicht oberflächlichen Smalltalk. Sondern, so Fröhling: „Was unternimmt die Mannschaft selbst miteinander? Wo kann man sich auf den anderen verlassen? Geht zusammen durch dick und dünn? Da sind wir noch auf einem weiten Weg. Fußball ist ein Mannschaftssport.“ Er fordert: „Wir müssen eine Mannschaft sein!“ Die AZ macht den Löwen-Team-Check:

Schindler, Stahl, Bülow, Adlung, Hain, Vallori, Eicher, Wolf, Wittek, Vollmann, Kagelmacher – die Elf der Voll-Integrierten: Kapitän Christopher Schindler hat viel zu tun: Leistung bringen. Lautsprecher sein. Nach seiner Vertragsverlängerung könnte er auch einen anderen Job vorantreiben: den des Integrationsbeauftragten. (Schindler: „Letztes Jahr hatten wir damit Schwierigkeiten“)

Bei langjährigen Löwen wie Dominik Stahl, Daniel Adlung, Stephan Hain, Gui Vallori und Nichtabstiegsheld Kai Bülow dürfte er dabei genauso wenig Probleme haben wie bei den jungen „Löwen durch und durch“ (Zitat Fröhling) Vitus Eicher, Maxi Wittek, Marius Wolf und Korbinian Vollmann. Für alle anderen gilt: eine Scheibe Gary Kagelmacher abschneiden. Der Uruguayer hat sich trotz miesem Start gut eingefügt: Auf dem Platz als robuster Zweikämpfer, außerhalb durch seine unaufgeregte, freundliche Art als angesehener Kollege. Und ab und an als Übersetzer.

Bandowski, Okotie, Wood, Rama, Simon, Claasen – integriert, ABER: Ein Österreicher, ein Amerikaner, ein Albaner, ein Ungar und ein Südafrikaner (lässt man Bandowski mal außen vor). „Es war sehr schwer, die verschiedenen Nationalitäten und Spieler einzubauen“, gesteht Sportchef Gerhard Poschner im „Kicker“-Interview.

Rubin Okotie ist zwar ein offener, freundlicher Typ, doch sein Bekenntnis zu den Löwen geriet nur halbherzig („Stand jetzt bleibe ich bei Sechzig“). Wenn er jetzt nicht geht, vielleicht in einem Jahr – wie Jannik Bandowski (Leihe endet 2016). Siehe auch die Wandervögel Valdet Rama (Ingolstadt, Hannover, Örebro, Valladolid) und Daylon Claasen (Ajax, Lierse, Posen) sowie der schüchterne Ungar Krisztian Simon. Rama spricht gut Deutsch, bei Claasen und Simon weniger. Allen fehlt ein bisschen die Identifikation. Und teilweise auch die Bindung zu den Kollegen. Ihre Zeit ist (oder scheint) begrenzt.

Sanchez, Bedia, Rodri, – die Isolierten: Als in der Relegation gegen Kiel um alles ging, standen Ilie Sanchez, Rodri und Edu Bedia gar nicht erst im Kader. Letzterer ist wegen seiner Dauer-Verletzung völlig ab vom Schuss, fehlte sogar im Bodenmais-Trainingslager. Das Trio spricht kaum Deutsch. Beispiel gefällig? „Hol den mal gleich“, sagte Fröhling kürzlich zu Sanchez, der beim Training einen Ball über den Zaun jagte. Sanchez musste sich die Ansage von Kagelmacher übersetzen lassen.

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Wegen solcher Szenen fordert Fröhling Deutschunterricht. Und ganz allgemein: „Alle müssen mitziehen. Wer das nicht tut, kriegt Probleme!“ Auf die Frage, ob erst einige Spieler gehen müssten, bevor sich eine Mannschaft herausbilden könne, sagte er: „Das regelt sich alles selbst.“ Gut möglich, dass er dabei an die Spanier dachte. Poschner über das Trio: „Man muss sehen, inwieweit eine weitere Zusammenarbeit für alle Beteiligten fruchtbar wäre, denn die Spieler sind auch nur Menschen. Die Saison hat Spuren hinterlassen, deshalb ist alles offen. Aber es macht nur Sinn, wenn auch alle wollen.“     Matthias Eicher

 

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