Bayreuther Festspiele "Ring"-Auftakt mit "Rheingold" unter Marek Janowski

Der Dirigent Marek Janowski. Foto: Felix Broede

Bayreuth: Das schöne, alte „Rheingold“ am Pult in diesem Jahr übernommen von Marek Janowski

Ob er jemals einen Blick auf die Bühne getan hat? Wurscht. Marek Janowski lächelt glücklich, ach was: beseelt. Das dringt bis in die hintersten Reihen. Mit 77 Jahren doch noch auf den grünen Hügel gelandet zu sein, das ist für einen Wagner-Spezialisten mindestens Genugtuung.

Dass er den „Ring“-Stab von Kirill Petrenko übernommen hat? Auch wurscht. Die jungen Pult-Hupfer machen sich viel zu viele Gedanken. Und schließlich wartet in der Garage ein toller Schlitten. Fern von Frank Castorfs Route-66-Geplänkel kann man damit die eigenen Runden drehen, die Pferdestärken so richtig auskosten und zwischendurch die Reifen quietschen lassen.

Das Publikum nahm’s dankbar an, jubelte wie nach einem veritablen Wunder. Und wahrscheinlich serviert man nach Petrenkos Molekularküchenzauber lieber Handfesteres. Das geht mit den miesen Machenschaften der Götter-Bagage und Castorfs Bilder-Geballer gar nicht schlecht zusammen. Und im „Rheingold“ ist ja noch Amüsement der deftigeren Art angesagt.

Zwischen Lustmatratzen und Vergnügungspool, mit Cocktails und Cowboyboots geht’s direkt zur schmierigen Sache. Die formidablen Rheintöchter (Alexandra Steiner, Stephanie Houtzeel, Wiebke Lehmkuhl) sind schon mal prophylaktisch angeschickert, so bezirzt man auch einen garstigen Galan. Und Albert Dohmen wechselt famos vom dröhnenden Bösewicht zum säuselnden Buhlen. Neben diesem Alberich sieht Wotan Iain Paterson wirklich alt aus. War da am Ende überhaupt noch ein Ton?

Diese „Ring“-Produktion ist gebeutelt vom dauernden Personalwechsel. Man vermisst die wendige Freia der Allison Oakes und leidet jetzt mit der in Latex gepferchten Caroline Wenborne. Auch Sarah Connolly muss sich erst in der Rolle der First Lady zurechtfinden, in der „Walküre“ darf sich diese Fricka ruhig noch mehr Haare auf die Zähne pappen. Dagegen sind die neuen Riesen erste Sahne, neben Karl-Heinz Lehner zeigt vor allem Günther Groissböck wo der stimmliche Hammer hängt – selbst der großartige Markus Eiche hat da als Donner fast das Nachsehen.

Fehlt noch der neue Strippenzieher Loge von Roberto Saccà. Er mag effektvoll mit dem Zippo zündeln, List hört sich anders an, Durchtriebenheit sowieso. Das Rheingold war wohl doch ein unverhoffter Lottogewinn? Oder weiß da einer schon zu viel? So wie die umwerfende Nadine Weissmann (Erda), die uns wieder einmal in der balsamischen Wucht ihres Mezzos baden lässt.

 

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