Bayerns Politiker diskutieren Verfassungsschutz zählt 1200 Scientology-Mitglieder in Bayern

Scientology zählt laut Verfassungsschutz rund 1200 Mitglieder in Bayern. Foto: dpa

Rund 1200 Mitglieder zählt Scientology in Bayern. Besonders diskussionswürdig für die bayrischen Politiker ist die Mitgliedschaft eines Mitarbeiters der Münchner Haus der Kunst.

München - Die umstrittene Scientology-Organisation hat in Bayern nach Angaben des Verfassungsschutzes rund 1200 Mitglieder. Zwischen 2009 und den Jahren 2012/2013 sei die Zahl um etwa 30 Prozent geschrumpft, sagte ein Sprecher der Behörde.

Seither sei sie weitgehend stabil. Derzeit diskutiert die Politik über die Scientology-Mitgliedschaft eines Mitarbeiters im Münchner Haus der Kunst. Die SPD will unter anderem, dass Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) im Landtag Stellung nimmt.

Scientology bezeichnet sich selbst als Kirche und wird in Deutschland seit Jahren staatlich beobachtet. Sie folgt streng den Lehren des Science-Fiction-Autors L. Ron Hubbard (1911-1986), der die Organisation 1954 in den USA gegründet hat. Zu ihr zählen "Scientology-Kirchen", "Missionen" und "Celebrity-Center", Initiativen und Vereine. Einer der bekanntesten Scientologen ist Hollywood-Star Tom Cruise.

Scientology instrumentalisiert Münchens Amoklauf

Experten werfen Scientology vor, Anhänger psychisch und finanziell abhängig zu machen. "Die Organisation hat nicht damit aufgehört, Mitglieder zu werben", betonte der Verfassungsschutzsprecher. Dabei arbeite sie meist mit Tarnorganisationen, die den Namen Scientology nicht tragen. So werbe die Organisation "Der Weg zum Glücklichsein" mit Infoständen um Passanten in der Münchner Innenstadt.

Die "Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen Menschen" habe zum Beispiel den Amoklauf im vergangenen Sommer für ihre Zwecke instrumentalisiert und sogar am Tatort am Olympia-Einkaufszentrum auf sich aufmerksam gemacht.

Lügendetektor bringt Geld ein

Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass die Organisation Finanzierungsprobleme hat. Dafür spreche, dass ein neues sogenanntes E-Meter - eine Art Lügendetektor - eingeführt worden sei. Mit dem neuen Gerät hätten auch Altmitglieder das Kurssystem als Voraussetzung für die Mitgliedschaft erneut durchlaufen - und dafür zahlen - müssen. Das koste je nach Fall mehrere Hunderttausend Euro, sagte der Sprecher und machte deutlich: "Der Mitgliederbestand wurde nochmal neu geschröpft."

In Bayern müssen seit 1996 Bewerber für den öffentlichen Dienst Angaben zu Scientology-Mitgliedschaften machen. Wie viele dies getan haben und welche Folgen das hatte, war zunächst nicht herauszufinden.

Weitere Mitarbeiter mit Bezug zu Scientology

Die SPD-Kulturpolitikerin Isabell Zacharias hatte den Fall am Haus der Kunst aufgedeckt. Sie wirft Spaenle und auch seinem Vorgänger Wolfgang Heubisch (FDP) vor, von den Vorwürfen gewusst, aber nicht gehandelt zu haben. "Die Herren glauben, das aussitzen zu können", sagte Zacharias. "Das sehe ich nicht so."

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Zumal sie von weiteren nebenberuflichen Mitarbeitern des Hauses der Kunst mit Verbindungen zu Scientology wisse. Eine genaue Zahl nannte Zacharias nicht. Das Kunstministerium hatte erklärt, Ende 2015 sei der Aufsichtsrat der Stiftung Haus der Kunst GmbH informiert worden, dass "möglicherweise eine Person, die Mitglied von Scientology ist, in den 1990er Jahren vom Haus der Kunst als externer Dienstleister beauftragt worden ist".

Spaenle nehme den Fall sehr ernst und habe unter anderem die Geschäftsleitung der Stiftung zu einem umfassenden Bericht aufgefordert. Zudem habe die Geschäftsleitung sichergestellt, dass keine Scientologen unter den hauptamtlichen Mitarbeitern seien.

 

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