Bayerns Neuer Rafinha Rafinha: Engel und Bengel

Rafinha, Bayerns neuer Brasilianer, will sein Rüpel-Image schnell korrigieren, sorgt mit einem gewagten T-Shirt aber sofort für Staunen

 

München - Die Vokabel Sauhund musste sich Rafinha dann doch ins Portugiesische übersetzen lassen. Ansonsten beantwortete der Brasilianer bei seinem ersten Auftritt vor den Reportern an der Säbener Straße in passablem Deutsch. Dem 25-Jährigen gefiel die Bezeichnung, die Trainer Jupp Heynckes Tags zuvor gewählt hatte. „Ich glaube, er hat meinen Spielstil gemeint. Ich bin klein und aggressiv auf dem Platz”, sagte Rafinha, „ich denke, dass es gut ist, dass er das gesagt hat.”

Na, dann: Seja bem-vindo, Sauhund! Herzlich willkommen, Rafinha!

5,3 Millionen Euro Ablöse hat der FC Bayern für das 1,71 Meter große Kraftpaket an den FC Genua überwiesen und ihm einen Vertrag bis 2014 gegeben. Rafinha soll Rechtsverteidiger spielen, Arjen Robben absichern und den Mark-van-Bommel im Team des FC Bayern auferstehen lassen, er soll unangenehm sein, den Gegner nerven – eben so viel, wie gerade noch erlaubt ist. Wird er der neue Aggressive Leader? Gegen sich selbst würde er nicht gerne spielen, „auf dem Spielfeld mache ich alles, was möglich ist für meine Mannschaft. Wenn du so einen Spieler im Team hast, ist das immer gut.”

Eine Rote, 41 Gelbe Karten – in fünf Jahren und 153 Bundesligaspielen für Schalke, damit liegt er im oberen Drittel. Giftig is’ aufm Platz – nicht außerhalb. „Das Bild, das die Leute auf Schalke von mir hatten, das stimmt nicht”, meinte Rafinha, „ich bin ein einfacher Typ – nur auf dem Platz, da muss ich ein anderer sein.” 2008 hatte es Ärger gegeben, weil der Brasilianer in seinem Haus in Gelsenkirchen mit Freunden und Mitspielern bis in die frühen Morgenstunden gefeiert hatte. Und etwas musiziert – bis die Polizei kam. Damals sagte er: „Ich bin Brasilianer. Ich möchte trommeln, Musik machen, Spaß haben am Leben.” Heute sagt er: „Ich bin Brasilianer, ich mag meine Musik, die Leute haben es gestört, dass ich so viel Party gemacht habe.” Er lacht. Er kann beides sein: Engel und Bengel.
Seit seiner Ankunft wohnt er im Hotel „Westin Grand” in Bogenhausen, er sucht ein Haus. „Ich weiß noch nicht, ob in der Stadt oder etwas außerhalb”, sagt Rafinha und lacht (b)engelsgleich. „Am besten ohne direkte Wand zu Nachbarn, ich mag Musik laut hören – das brauche ich.” Seine Percussion-Instrumente kommen mit.

Sein Rüpel-Image aber will er ablegen, „ich bin ein ruhiger Typ”. Und ein Familienmensch. Mit Freundin Carolina hat er Töchterchen Marie-Luiza, sie kam im Februar 2009 zur Welt. An beiden Unterarmen prangen riesige Tattoos, das eine erinnert an seinen Vater, der starb als er 15 war, übersetzt heißt es: Vater – für immer in Liebe. Rafinha erklärte einmal: „Es hat eine sehr große Bedeutung, ich vermisse ihn sehr.”

Daher die enge Bindung zu seiner Mutter Odete. Sein Aberglaube: „Vor jedem Spiel rufe ich meine Mama an, auch wenn wir im Bus auf dem Weg zum Stadion sind”, erzählt Rafinha, der wie Giovane Elber aus Londrina stammt. Vom Ex-Bayern-Stürmer hat sich Tipps für das Leben bei seinem neuem Arbeitgeber geholt. „Elber ist ein guter Freund von mir, er hat mir erzählt wie der FC Bayern funktioniert.” Auch, wie man sich kleidet?

Am Dienstag erschien Rafinha im Effe-Style, mit einem Strass-besetzten Ring am Finger und einer riesigen Uhr. Dazu dieses Shirt. Darauf zu lesen: Dom Rebel.

 

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