Bayerns Monarchen abgelichtet Historische Foto-Schätze: Der Hoffotograf aus Haidhausen

1862: Kronprinz Ludwig (rechts) und dessen Bruder Prinz Otto. Foto: Stadtarchiv München/Sammlung Stuffler

Cowboys und Könige: Eine Ausstellung widmet sich der Familie Stuffler, die um 1900 in München fotografierte – und Bayerns Monarchen so nahe kam wie kaum jemand sonst.

 

München - April 1890. An der Theresienwiese geht ein Pferd durch. Im Weg des temperamentvollen Tiers mit dem Namen Dynamits: Prinz Ludwig von Bayern. Eine unerschrockene Frau missachtet das Protokoll und wirft den späteren König zu Boden. Aus Dankbarkeit erhält die "unvergleichliche und liebenswürdige Miss Annie Oakley" einen Armreif mit Brillanten.

So geht die Erzählung über den Besuch von Buffalo Bills Wild-West-Truppe in München. Festgehalten hat den Besuch ein Fotograf aus Haidhausen: Georg Stuffler.

Über ihn und seine Familie hat der Leiter des Haidhausen-Museums eine Ausstellung kuratiert. Eigentlich hätte "Die Stufflers – eine Fotografenfamilie aus Haidhausen" bereits im April starten sollen. Aufgrund der Corona-Pandemie beginnt die Schau nun ein bisserl später – unter Berücksichtigung besonderer Hygieneregeln. "Nur vier Besucher dürfen gleichzeitig in die Ausstellung. Und sie müssen Mundschutz tragen", sagt Museumsleiter Hermann Wilhelm. Die Räume in der Kirchenstraße seien klein, deshalb sei es schwierig, Abstand zu halten. "Zu Beginn der Ausstellung mussten die Besucher Schlange stehen – oder wir haben sie gebeten, noch mal kurz einen Spaziergang zu machen", sagt er.

Zwischen Pferden, Büffeljägern und Schützen entdeckt

Aufgefallen ist dem Heimatforscher der Fotograf Stuffler vor ein paar Jahren, als er Material für eine Ausstellung über Buffalo Bills Westernschau im Gasteig zusammensuchte. William Frederick Cody, so der volle Name des berühmten Bisonjägers aus Nordamerika, sitzt auf einer Abbildung auf einem Schimmel, die Flinte in der Hand. Ein Bild, das Hermann Wilhelm auch nach Ende der Ausstellung nicht losgelassen hat. Ebenso wenig wie der Fotodruck der eingangs beschriebenen Reiterin Annie Oakley. Über ihren und Buffalo Bills Besuch hat Wilhelm im Jahr 2017 ein Buch mit dem Titel "München und der Wilde Westen" verfasst. "Da gab es eine Serie von Fotos mit einer interessanten Adresse: Praterstraße 6. Da ist es mir gedämmert", sagt er. Gedämmert, dass es sich um einen Haidhauser handelte.

Die Praterstraße gibt es heute nicht mehr. Als ausgewiesener Haidhausen-Spezialist weiß Wilhelm aber, wo sie einst lag und wie sie heute heißt. Um 1917 wurde aus ihr die Grütznerstraße – eine kleine Gasse, die vom Wiener Platz oberhalb des Grütznerbergls bis in die Maximiliansanlagen führt.

Das Haus mit der Nummer 6 beherbergte einst das Studio von Georg Stuffler. Der hat nicht nur Großveranstaltungen auf der Theresienwiese fotografiert oder Ansichten davon reproduziert, sondern war ein etablierter Chronist des städtischen Lebens. "Zu seiner Zeit war er renommiert, aber über sein Leben ist wenig überliefert", sagt Wilhelm. Gemeinsam mit Stadtarchivar Michael Stephan hat er das Wirken von Stuffler und seinen Söhnen Max (1867-1926) und Friedrich (1869-1900) deshalb aufgearbeitet.

Sohn eines Braumeisters wird Hoflieferant

Geboren 1839 oder 1840 im oberpfälzischen Schönsee als Sohn eines Braumeisters, war Georg Stuffler zunächst als Porträt-Fotograf bekannt. Er fotografierte Architektur, aber auch die Feier zu Ehren des 100. Geburtstags von König Ludwig I.

Stufflers erstes Studio eröffnete er 1859 im Lehel. Neben dem Fotografieren arbeitete er als Buchhändler und Buchhalter. Mit Mitte 30 eröffnete Stuffler einen Laden in der Residenzstraße – "Kunst- und Schreibmaterialiensammlung" stand im Stadtadressbuch. 1888 wurde Georg Stuffler zum Hoflieferanten ernannt und firmierte von da an als "Königlich Bayerischer Hof-Kunsthändler".

Ende Juni 1899 starb Georg Stuffler im Alter von 59 Jahren. Seine Witwe Hildegard war bis 1918 im Haus in der Praterstraße gemeldet. Genauso wie die beiden Söhne. Stufflers Sohn Max übernahm nach dem Tod des Vaters die Geschäfte, das Atelier in Haidhausen führte er weiter. "Vermutlich war er mehr für die Abwicklung und den Vertrieb der Fotoprodukte zuständig", sagt Museumsleiter Wilhelm. Das legten die in den Archiven gefundenen Abzüge nahe.

Sein Bruder Friedrich arbeitete als Fotograf mit eigenem Geschäft, erst in der Kellerstraße, dann in der Inneren Wiener Straße. Friedrich starb 1900 im Alter von 31 Jahren. Bruder Max wurde 58 Jahre alt. Das Fotogeschäft hatte er einige Jahre vor seinem Tod verkauft.


Bis 26. Juli ist die Ausstellung in der Kirchenstraße 24 zu sehen, geöffnet sonntags von 14 bis 17 Uhr und montags bis mittwochs von 17 bis 19 Uhr.


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