Bayerns größte Uniklinik Klinikum Großhadern: Der Toaster hat ausgedient!

Das UniversitätsklinikumGroßhadern wurde 1974 eröffnet.Jetzt sind die Tage des markanten Gebäudes gezählt. Foto: dpa/Mike Schmalz

Jetzt ist die Sanierung vom Tisch, das Klinikum Großhadern mit seinem markanten Bettenhaus wird abgerissen. Das Kabinett beschließt den Neubau von Bayerns größter Uniklinik für 800 Millionen Euro.

 

München - Nun ist es entschieden: Das „Raumschiff“ oder der „Toaster“, wie viele Münchner das Bettenhaus des Klinikums Großhadern nennen, wird abgerissen. Fast das komplette Klinikum Großhadern wird neu gebaut. Das hat die Bayerische Staatsregierung gestern beschlossen. Bis das markante Gebäude, in dem mehr als 1200 Patienten stationär betreut werden können, tatsächlich aus dem Stadtbild verschwindet, werden aber noch bis zu 20 Jahre vergehen. In dieser Zeit soll auf dem Campus Großhadern in unmittelbarer Nachbarschaft des „Toasters“ fast die komplette Klinik in insgesamt sechs sogenannten Modulen neu gebaut werden.

Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle rechnet mit einem Investionsvolumen von durchschnittlich 40 Millionen Euro pro Jahr – also insgesamt etwa 800 Millionen. „Wir haben eine Leitentscheidung für modernste medizinische Versorgung in München und Bayern getroffen“, sagte der Minister. „Es wird ein gewaltiger Kraftakt“.

Das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ist mit mehr als 2000 Betten die größte Uniklinik in Bayern und ein weltweit renommiertes Zentrum für Hochleistungsmedizin. Mehr als die Hälfte der Betten sind am Standort Großhadern. Doch die 1974 eröffnete Klinik ist in die Jahre gekommen, sie muss dringend saniert werden (AZ berichtete).

Nach der Machbarkeitsstudie eines Stuttgarter Architekturbüros war schnell klar: Eine Sanierung bei laufendem Betrieb wäre kaum möglich. Damit blieben nur noch zwei Möglichkeiten: Teilneubau und Sanierung oder Komplettabriss und Neubau.

Nun hat die Staatsregierung grünes Licht für einen Komplett-Neubau gegeben. Statt eines einzigen großen Gebäudes mit kilometerlangen Fluren wie im jetzigen „Raumschiff“ sollen es künftig insgesamt sechs Gebäudetrakte – oder Module – werden.

Ein Vorteil ist, dass die einzelnen Stationen nach und nach umziehen können. Außerdem können die Module in ferner Zukunft, wenn auch sie eines Tages wieder in die Jahre gekommen sind, jedes für sich saniert werden.

„Mit einer Neubaulösung werden auch während der Bauzeit die Belastungen für Patienten, Mitarbeiter und Studierende so gering wie möglich gehalten“, sagte Minister Spaenle gestern. Die Krankenhaus-Planer im Ministerium haben den einzelnen Trakten die Buchstaben A bis F gegeben. Zwei von ihnen sind bereits vergeben: A ist das neue OP-Zentrum mit modernster Technik auf dem Campus, das bereits fertig ist. Es wurde am 22. Juli vergangenen Jahres nach einer Bauzeit von sechs Jahren eingeweiht. Baukosten: 196 Millionen Euro. Das Modul B wird das neue Mutter-Kind-Zentrum bzw. das Neue Hauner. 2022 soll die Haunersche Kinderklinik aus der Innenstadt auf den Campus in Großhadern umziehen. Geplant sind auf fast 22 000 Quadratmetern 254 stationäre Betten und eine Tagesklinik mit 30 Betten.

Der Sultan von Oman, Qabus bin Said al-Said, hat eine kräftige Finanzspritze dazugegeben und 17 Millionen Euro gespendet. Derzeit läuft der Architektenwettbewerb für den Neubau, im kommenden Juli will die Jury eine Entscheidung treffen. Mit dem Bau soll 2017 begonnen werden. Nun kann es auch mit der Planung für weitere neue Klinikgebäude auf dem Campus losgehen: Für den ersten Bauabschnitt soll noch in diesem Jahr ein Realisierungswettbewerb durchgeführt werden.

Sicher ist schon jetzt: Kein einziger Gebäudeteil wird so hoch werden wie das jetzige Bettenhaus, auch wenn sich an der Gesamtzahl der Betten nichts ändern soll. Minister Spaenle kündigte an: „Die Gebäude werden eher quadratisch sein.“

 

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