Bayernkaserne Der nächste Flüchtlings-Protest

Seit Donnerstag, 31. Oktober, demonstrierten die Flüchtlinge vor dem Sozialministerium - am Freitagnachmittag kehrten die letzten nach Böbrach zurück. Foto: Daniel von Loeper
 

Die Asylbewerber, die vor dem Sozialministerium campiert haben, sind wieder in Böbrach. Doch jetzt verweigern 25 Minderjährige in der Bayernkaserne jegliche Nahrung.

München - Ursprünglich wollten sie bis Ende des Jahres im Protest-Camp vor dem Sozialministerium bleiben, jetzt sind sie doch nach Böbrach zurückgekehrt: die acht Flüchtlinge aus dem Senegal, die drei Wochen lang gegen ihre Unterbringung in dem niederbayerischen Lager demonstriert hatten, zeitweise sogar mit einem Hungerstreik (AZ berichtete).

Die jungen Männer waren nach München gekommen, weil ihnen die Flüchtlingsunterkunft im Kreis Regen zu abgelegen war (das Heim liegt mitten im Wald, der nächste Ort ist einen Kilometer entfernt). Sie müssten dort völlig isoliert von der Außenwelt leben, kritisierten sie in einem offenen Brief an das Sozialministerium – und forderten die Schließung der Einrichtung. Ministerin Emilia Müller lehnte dies strikt ab. Stattdessen schickte die CSU-Politikerin eine Delegation zu einem „runden Tisch“ mit den Flüchtlingen und Vertretern der Regierung von Niederbayern.

Der Meinungsumschwung der Asylbewerber ist offenbar das Ergebnis dieser Verhandlungen: Am Freitag machten sich die letzten auf den Rückweg nach Böbrach. Über den genauen Inhalt der Gespräche wurde jedoch Stillschweigen vereinbart.

Trotzdem beschäftigt das Thema Flüchtlingspolitik die Münchner auch weiterhin: In der Bayernkaserne verweigern 25 Teenager aus Somalia seit Tagen jegliche Nahrung. Die 16- und 17-Jährigen fordern unter anderem die Einstellung von Essenspaketen, die Ausgabe von Bargeld und schnellere Asylverfahren. Außerdem möchten sie in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht werden. Im Prinzip will das auch die Politik: Geht es nach dem bayerischen Sozialministerium, sollen ab Anfang 2014 alle unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Kinderheime, betreute Wohngemeinschaften oder ähnliche Häuser umziehen.

Am Freitagnachmittag trafen sich Vertreter des Stadtjugendamtes, des Bundesamtes für Migration, der Regierung von Oberbayern sowie der Inneren Mission mit den Jugendlichen. Ziel des Krisengesprächs sei es, den Hungerstreik zu beenden, sagte ein Sprecher des evangelischen Hilfswerks, das für die Sozialbetreuung der Teenager in der Erstaufnahmeeinrichtung zuständig ist.

Am frühen Abend liefen die Verhandlungen noch.

In der Bayernkaserne leben 140 bis 160 minderjährige und rund 1200 erwachsene Flüchtlinge.

 

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