Bayern-Youngster im AZ-Interview Der Zipser-Faktor

Gehört bei der EM zu den positiven Überraschungen im deutschen Team: Paul Zipser. Foto: dpa

Das Talent des FC Bayern spielt sich bei der Basketball-EM in den Fokus. In der AZ spricht der Defensiv-Spezialist über den Turnierstart.

Berlin - Es hätte Paul Zipsers ganz großer Moment werden können. Die vorletzte Szene im Spiel der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gegen Gruppenfavorit Serbien. Nach einer starken Leistung gegen den Vizeweltmeister steht es 66:66, es verbleiben 3,7 Sekunden auf der Uhr. Die Serben haben den Ball und der geht zu Nemanja Bjelica. Der hatte im ersten Gruppenspiel der Serben gegen Spanien am Samstag mit 24 Punkten geglänzt.

Paul Zipser hatte den Superstar, der nächste Saison NBA spielen wird, bei fünf Pünktchen gehalten. „Es war meine Aufgabe ihn zu verteidigen und so wenig wie möglich zuzulassen. Das haben die Mannschaft und ich ganz gut gemacht“, sagte der 21-jährige Zipser hinterher zur AZ. In der entscheidenden Szene, durfte aber nicht er, sondern der andere Defensivspezialist Alex King gegen Bjelica ran. Bjelica traf zum 68:66, die Deutschen gingen als Verlierer vom Feld.

„So wie es ausgegangen ist, hätte ich ihn lieber selbst verteidigt“, sagt Zipser, schiebt aber energisch hinterher: „Das heißt aber nicht, dass die beiden einen schlechten Job gemacht haben.“ Damit meint er King und Tibor Pleiss, die Bjelica nicht am Siegtreffer hindern konnten. Zipser schaute von der Bank aus zu.

Ein schwerer Moment bei seiner ersten EM. Für das Supertalent läuft es dennoch gut. 56 Minuten hat Paul Zipser in den ersten beiden Spielen gespielt, nur Dirk Nowitzki und Dennis Schröder standen mit 59 Minuten noch länger auf dem Feld. „Er hat Qualität, er ist ein Spieler für die Zukunft des deutschen Basketballs. Wegen solchen Spielern habe ich diesen Job angenommen“, schwärmt Nationaltrainer Chris Fleming.

Sein Vereinstrainer beim FC Bayern hatte Zipser den großen Wurf bei dieser EM noch nicht zugetraut. Svetislav Pesic vor dem Turnier zur AZ: „Dass er eine tragende Rolle übernehmen kann, würde ich nicht sagen. Es ist seine erste Europameisterschaft. Er wird dieses Turnier gut spielen, aber wir sollten nichts Spezielles erwarten.“ Das sieht Bundestrainer Fleming anders: „Wir haben von Anfang an an Paul geglaubt. Er wird eine tragende Rolle spielen – vor allem defensiv. Paul gibt uns eine große Defensivkonstanz und ist unser konstantester Rebounder. Wir müssen ihm Zeit geben, sich offensiv zu entwickeln.“ Fleming setzt voll auf den Zipser-Faktor.

Gerade Konstanz fehlt den jungen Spielern in der Regel am meisten. Zipser spielt mit seinen 21 Jahren dagegen erstaunlich routiniert. „Es war super!“, freute er sich nach seinem Debüt bei der EM. „Ein bisschen Aufregung war da, das habe ich mir schon vorher gedacht. Wenn das Spiel anfängt, ist die aber weg. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.“ Diese Unbekümmertheit macht Zipser aus – und so stark. „Man merkt, dass das ganze Land hinter einem steht. Über Fernsehen und Internet wünschen dir so viele Leute alles Gute – das hatte ich noch nie und habe ich so nicht erwartet. Ich freue mich wirklich, dass ich für mein Land spielen darf.“

Am Dienstag (17.45 Uhr, ARD) darf er das gegen die Türkei schon wieder. Der zweite Sieg muss her, damit Platz vier – von Sechs –, den die Deutschen zum Weiterkommen mindestens brauchen, nicht in Gefahr gerät. „Wir kennen die Türken ein bisschen“, blickt Zipser voraus. „Wir haben im Supercup schon gezeigt, dass wir sie schlagen können. Mit Ilyasova haben sie einen sehr starken Vierer.“ Ersan Ilyasova ist der Star der Türken. 2,08 Meter groß, ballsicher, ein top Werfer – ganz ähnlich wie Serbiens Nemanja Bjelica. Vielleicht kommt gegen ihn ja Zipsers ganz großer Moment.

 

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